Geheimgesellschaften


Wo waren sie einst und welche sind heute noch in München zu finden?
Geheimgesellschaften Symbolbilder Illuminaten, Freimaurer oder der sogenannte "bayerische Ku-Klux-Klan" sind recht mysteriös erscheinende Vereine, hinter denen sich jedoch z.T. völlig unterschiedliche Zielsetzungen und Vereinigungen verbergen.

Vorab: Wenn Ihnen - wie vor einiger Zeit - ein Münchner Boulevardblatt per Schlagzeile verspricht, Sie könnten per Stadtführung "MÜNCHENS GEHEIMSTE ZIRKEL" kennenlernen, so glauben Sie das lieber nicht - da geht's wohl eher nur um Auflagensteigerung. Geheimste Zirkel sind per definitionem nicht mehr "geheimst", sobald sie sogar in der Zeitung stehen ...

Geheimgesellschaften Symbole der und Bücher über Freimaurerei

Links im Bild ein Ausschnitt der Eingangspforte zum größten Freimaurertempel Münchens




Die ganz alten Vereinigungen - oder: Kennen Sie den "bayerischen Ku-Klux-Klan" ?

Bayerischer Ku-Klux-Klan Kukluxklan

Diese Herren in schwarzen Kutten und Masken werden Sie nur äußerst selten treffen. Früher waren sie noch bei Trauerzügen für verstorbene bayerische Herrscher zu sehen (Bild rechts oben), aber leider nicht mehr bei dem von Franz Josef Strauß. Heute sieht man sie noch am ehesten in einem Fernsehstudio oder am Starnberger See, wenn sie dazu demonstrieren, dass König Ludwig II. dort hinterrücks ertrunken oder erschossen worden sei und dass dies nach 130 Jahren endlich aufgeklärt gehört. Dafür haben sie sogar ein paar ganz gute Argumente ...

Leider tarnen sie sich unter schwarzen Kapuzen, sind erzkonservativ königstreu und streiten trotzdem mit den Wittelsbachern, weil sie denen Verschleierung des vermuteten Königsmordes vorwerfen. Sie möchten aber unter ihren schwarzen ku-klux-klan-mäßigen Kutten anonym bleiben und nähren damit Fragen derart wie: Welche besonders konservativen bayerischen Politiker könnten ihrem Bund angehören ?!?

Der Vergleich mit dem US-amerikanischen Ku-Klux-Klan, der eine rassistisch-kriminelle Tradition der Menschenverbrennungen hat, erscheint erst mal unfair.

Aber die Vorfahren dieser bayerischen Kapuzenträger waren durchaus an Hinrichtungen beteiligt ..... Das erzählen wir Ihnen bei dieser Führung. Während die Herkunft dieser Gruppierung bzw. Zunft zwischen einfachem Volk und niederem Adel des Mittelalters liegen dürfte, gibt es auch ganz hochadelige Vereinigungen ...

Zeichen eines alten Ordens königlicher Häupter

... mit einer überschaubaren Zahl aristokratischer und gekrönter Häupter aus verschiedenen Kontinenten. Zu so etwas zog es die Wittelsbacher hin, um ihrem Status an Hochadel Genüge zu tun. Ganz klar, da man Anspruch auf die Kaiserkrone erhob und das ab und zu auch schaffte. Auch solch einen Club gibt es heute noch.



Auf den Dächern eines alten Münchner Kaufhauses
haben Bauherr und Bauunternehmer (beide Freimaurer) die freimaurerische Symbolik
von Sonne, Mond und Stern(e) abbilden lassen.

Auf den Dächern eines alten Münchner Kaufhauses befinden sich alte Handelsschiffe - warum? Erst mal äußerlich betrachtet als Symbole des um 1900 herum boomenden Welthandels. Wenn man aber weiß, dass Bauherr und Bauunternehmer beide Freimaurer waren, so erkennt man auch die freimaurerische Dreiersymbolik von Sonne, Mond und Stern(e).


Aufbruch und Aufklärung

Ja, sie sind immer noch da und im Stadtbild nicht zu übersehen, wenn man sie zu sehen weiß und man die ihre Namen und Symbole kennt. Sie waren alle Freimaurer, manchmal auch Illuminaten, und haben als freiheitlich-republikanische und religiöse Freigeister insbesondere während der Zeit der Aufklärung im 18. und 19. Jhdt. einen entscheidenden Abschnitt der Geschichte Münchens und Bayerns geprägt. Ihre Denkmäler, Gedenktafeln oder Straßennamen sind in München an der Zahl dreistellig. Aber kein Hinweis mehr verweist auf ihre Zugehörigkeit zu diesen einstigen Geheimgesellschaften ( sind diese wirklich noch geheim? ), was gut 200 Jahre katholisch dominierte Geschichtsschreibung speziell in München entfernt haben. Trotz wiederholter Verbote in Bayern ab 1785 gibt es heute wieder 15 Freimaurerlogen in München. Aber was ist eigentlich aus den illuminati (originale lateinische Bezeichnung) geworden?


Karlheinz Böhm war Mitglied einer Münchner Freimaurerloge

Der Schauspieler und Gründer von "Menschen für Menschen", Karlheinz Böhm ( † 2014 ), war 40 Jahre Mitglied einer Münchner Freimaurerloge (Foto Wikimedia und GNU-Lizenz von Manfred Werner).


Es ging in der Zeit vor und nach 1800 um die große gesellschaftliche Auseinandersetzung, ob Bayern sich in Richtung eines freiheitlich-republikanischen Geistes entwickelt oder ob es vormodern, sprich königlich-katholisch und erzkonservativ bleibt. Damals - im Jahrhundert nach dem 30jährigen Krieg, der auch ein europäischer Konfessions- und Religionskrieg war, entwickelten quer durch Europa aufgeklärte Menschen die Idee, eine entdogmatisierte Religionspraxis auszuüben, denen humanitäre Werte zu Grunde liegen, wie sie in allen Religionen zu finden sind. Der Ort dafür waren insbesondere Freiumaurertempel und wer daran teilnahm, wünschte meist, dass weder Herrscher noch Kirche davon erfahren.


Mozarts Wohnort in München

Auch das musikalische Genie Mozart trat dem Freimaurerbund bei. Gleich zwei Gedenktafeln erinnern an Mozarts Münchner Zeit und seinen Wohnort. Der junge Wolfgang Amadeus bemühte sich um eine Anstellung am bayerischen Hof als Musicus und wohnte auch ein Jahr in München. Zwar bekam er keine Anstellung, aber zwei Mal durfte eine Oper in München uraufführen. 1775 im Salvator-Theater (heute Literaturhaus) "La finta giardiniera" und für den Münchner Karneval 1781 bekam er den Auftrag, eine „große Oper“ zu schreiben. So komponierte Mozart in München die Oper "Idomeneo", die dann am 29. Januar 1781 im Residenztheater uraufgeführt wurde. In seiner hiesigen Zeit verkehrte er mit Münchnern Freimaurern; besonders regelmäßg mit dem Baron von Seinsheim in der Prannerstraße. Dessen Palais steht heute noch.


Gruppierungen wie Freimaurer oder Illuminaten bekamen damals vor circa 250 Jahren den Namen "Geheimgesellschaften" übergestülpt. Dies hatte meist damit zu tun, dass ihre Mitglieder zu ihrer eigenen "Deckung" wirklich geheim bleiben mussten, damit sie nicht bei der Obrigkeit in Ungnade fielen, ihre berufliche Stellung verloren oder gar im Gefängnis landeten.

Freimaurer-Tempel Münchenvor Freimaurerritual

Von links nach rechts: Der Mann mit der Perücke war Lehrer eines gewissen Adam Weishaupt, Gründer des geheimnisumwitterten Illuminatenordens. Der Mann mit der Schuhspitze auf seinem Denkmal schwankte in seinem Leben zwischen freigeistigem Freimaurer und frommen Katholiken. Der Silberkopf war der erste bayerische Superminister(präsident) und reformierte Bayern in Richtung seiner heutigen Form, von der Verfassung hin bis zu den Landesgrenzen. Das Monogramm ganz rechts ließ ein bekannter Bauunternehmer an einem weltbekannten Münchner Gebäude eingravieren, darüber (s)ein Freimaurerzeichen. Im selben Gebäude befand sich bis vor Kurzem noch ein Freimaurertempel. Was man von diesem heute noch sehen kann, zeigen wir Ihnen bei dieser Tour.

Freimaurer-Tempel München vor Freimaurerritual

Wie sieht es im Inneren eines Freimaurertempels aus? Zum Beispiel so wie in diesen Bildern hier, noch bevor ein Ritual eröffnet und die eigentliche Illumination beginnt. Dabei geht es um ein konfessions- und religionsungebundenes Ritual, dem sich gläubige Menschen aller Religionen anschließen können (ja - inzwischen auch Frauen in weiblichen oder gemischten Logen, die es auch in München gibt). Aber woher kommt diese Tradition und warum gibt es sie eigentlich noch? Und: Sind sie wirklich so abgeschottet - wie allgemein vermutet wird - oder ist es nur die katholischen Christen drohende Exkommunikation? Für deren Beibehaltung insbesondere der bayerische Papst in seiner früheren Funktion als Chef der vatikanischen Glaubenskongregation verantwortlich zeichnet: »Freimaurerei bleibt Sünde«, konstatierte schon damals der heutige Papst emeritus Benedikt XVI. ...

Im Freimaurertempel wird auch Musik gemacht

In Freimaurertempeln wurde und wird nach wie vor auch Musik gemacht. Mozart - selber Freimaurer - hat z.B. in der "Zauberflöte" unter der Oberfläche einer heiteren Oper verdeckt aufklärerische Inhalte eingebaut.



Wo einst das historische - im Krieg zerstörte - Logenhaus der ältesten und größten Münchner Freimaurerloge stand, befindet sich auch heute noch in der Innenstadt das zentrale Münchner Logenhaus.

historisches Logenhaus u heutiges Eingangschild München

Wo finden wir in München noch geheimnisvolle Zeichen der Freimaurer und der Illuminaten? Warum bekämpft die Katholische Kirche z.T. bis heute die Freimaurer, die nach Verboten Ende des 18. Jhdts. und noch einmal während der Nazizeit heute wieder mit etwa sechzehn Logen in München vertreten sind?



Geführt wird auch zu einem der bekanntesten Gebäude Münchens, wo sich der Architekt als Freimaurer an zentraler Stelle mit seinen Zeichen verewigt hat. Im selben Gebäude befand sich bis vor wenigen Jahren dort noch eine Loge, die ebenfalls entsprechende Zeichen hinterlassen hat. Manchmal muss man nur einen Blick durch das offene Fenster werfen ...

Freimaurer-Symbolbilder in weltbekanntem Bau

Wir zeigen Ihnen, in welcher Straße vor ihrer Berufung nach Rom zwei spätere Päpste der letzten 80 Jahre wohnten, die übbrigens beide sehr maßgeblich eine Aussöhnung der Katholischen Kirche mit der freireligiös denkenden Freimaurerei verhindert haben. Würde Freimaurern nicht die Exkommunikation aus der Katholischen Kirche drohen, wäre der Hauptgrund für das traditionelle "Deckungsgebot" (seine Zugehörigkeit zum Freimaurerbund geheim halten) schon um 1980 weggefallen, womit seit bald 300 Jahren der Vatikan katholische Freimaurer bedrohte.


Freimaurertempel in einer anderen bayerischen Großstadt

Verschiedene Freimaurertempel in anderen bayerischen Großstädten

Freimaurer-Gebäude in einer anderen bayerischen Großstadt

Freimaurertempel in einer anderen bayerischen Großstadt




Die Illuminaten

München war in den Jahren vor der Französischen Revolution das Zentrum des geheimnisumwitterten Bundes der illuminati, die eine herrschaftsfreie Gesellschaft anstrebten, genauer, frei von absolutistisch regierenden Fürsten, wie es auch die Wittelsbacher bis Ludwig I. waren. Adam Weishaupt, ihr Gründer erklärte: "Fürsten und Nationen werden ohne Gewaltthätigkeit von der Erde verschwinden … und die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen werden." Was 1780 eine Utopie war, könnte es sich heute erfüllen - oder sind wir davon immer noch so weit entfernt wie vor gut 200 Jahren ?

Illuminaten bombardieren München mit Flugblättern - kathol. Propaganda-Flugblatt

Was hier aus dieser drachenförmigen Kanone flattert, ist kein Geld, denn Papiergeld von "Zettelbanken" waren im 18. Jahrhundert beim einfachen bayerischen Volk eher verpönt. Nein, auf diesem (erz)katholischen Propaganda-Flugblatt beschießen illuminaten-Teufel mit ihrer Kanone die arme Stadt München mit gefährlichen Flugblättern, sprich aufklärerischem Gedankengut. Unzensierte Druckerzeugnisse galten katholischen Kreisen damals noch als mindestens ebenso gefährlich wie echte Kanonen ...


Prominente und viele oft noch heute bekannte Persönlichkeiten schlossen sich den Illuminaten an (Freiherr von Knigge, Maximilian Graf Montgelas), sogar aus der Katholischen Kirche (12% der Illuminaten waren katholische Kleriker), so attraktiv waren die Ideen der Aufklärung (wie "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichekeit"). Im Bündnis mit den Freimaurern konnten sie ausgerechnet im erzkatholischen München viele aufklärerische Impulse setzen. Viele Denkmäler, Palais und Straßennamen Münchens weisen heute noch auf ihre berühmtesten Namen hin. Die heutige, stark katholisch geprägte Stadtgeschichte unterschlägt bei all diesen Persönlichkeiten zumeist den freimaurerischen bzw. illuminatischen Anteil ihres Wirkens.

Illuminaten in München

Eines der ursprünglichen Motive für die Einrichtung von Freimaurertempeln und ihrer Rituale war, eine konfessionsneutrale und kirchenunabhängige Form der Religionsausübung zu bieten, egal ob katholisch, protestantisch oder jüdisch. Diese religiöse Toleranz wurde später erweitert auf alle Religionen, so dass sich heute auch der Buddhist im Freimaurerritual finden kann. In der Sprache der Freimaurer geht es darum, im Ritual das innere Licht zu sehen oder zu erkennen. Wobei darunter beides verstanden werden kann, sowohl spirituelle Erleuchtung wie auch "enlightment" im Sinne der Aufklärung, der Erkenntnis des Schönen, Wahren und Guten sowie des vernunftgeleiteten Handelns.



Haben Sie Interesse an dieser Führung?

Dieses spezielle Thema findet nur begrenztes Interesse. Diese Führung findet darum nur auf Nachfrage für eine Gruppe ab 5 Teilnehmern statt und ist eine Einführung in einige der einst und heute noch existierenden Vereinigungen Münchens, die zu Recht oder Unrecht mit dem Begriff Geheimgesellschaften belegt worden sind und die z.T. bis heute eine Rolle in der Geschichte Münchens gespielt haben.


Sollte Sie diese Führung interessieren, rufen Sie uns an oder teilen Sie dies uns bitte mit einer Mail oder Kontaktanfrage mit, evtl. auch mit Wunschzeiten an welchen Wochentagen zu welcher Uhrzeit Sie könnten. Wir werden dann – bei mehreren Anfragen – einen entsprechenden Termin einige Wochen später festlegen. Wenn Sie mindestens drei oder vier Bekannte dafür interessieren könnten, machen wir Ihnen sofort einen Terminvorschlag.

Tel. 0176 - 96 33 00 29

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