König-Ludwig-II.-Tour


Wandeln Sie mit uns auf den Münchner Spuren des Märchenkönigs, der schon zu seinen Lebzeiten enorm viel Bewunderung erntete durch seine exotischen Schlösser, Gärten, Schlitten, Wasser- und Luftfahrzeuge, die aber nach seinem frühen und ungeklärten Tod teilweise unvollendet bleiben mussten. Auch der Frage seiner Schulden und wie Ludwig II. zu Tode kam, gehen wir nach.

König
Ludwig II. - Collage von Portaits im Alter von 17 bis 42 Jahren

Ludwig II. war ein genialer Schöngeist, der für Architektur, Kunst und neueste Technik brannte. Beim Amt des Königs und bei der Regulierung seiner Finanzen ist er aber ziemlich groß gescheitert. Als ein perfekter Illusionist von Traumwelten fasziniert er die Menschen bis heute.

Anhand seiner Münchner Stationen und umfangreichen Bildmaterials folgen wir diesem - im guten Sinne - verrückten Architekturkünstler durch München auf dem Weg in seinen persönlichen Untergang - bis hin zu seinem unterirdisch versteckten Sarkophag.



Ludwig II. war Bayerns jüngster und schönster König.

König
Ludwig II. und alle seine Vorgänger als bayerische Herrscher
finden wir am Bauzaun einer Dauerbaustelle.
18 Jahre alt und 1,92 Meter groß war der junge König eine nicht nur von Frauen bewunderte Erscheinung.

König Ludwig II. und alle seine Vorgänger als bayerische Herrscher finden wir am Bauzaun einer Dauerbaustelle. 18 Jahre alt und 1,92 Meter groß war der junge König eine nicht nur von Frauen bewunderte Erscheinung.




Wie er begann Ludwig II. als blutjunger König, sein Jubel 'König!' im Tagebuch 1864
und sein Monogramm

"König!" schreibt der bisherige Kronprinz am 10. März 1864 in sein Tagebuch quer über die Seite in riesiger (deutscher Sütterlin-) Schrift - mit Ausrufezeichen! Das Volk bejubelt den über 1,90 Meter großen Hünen. "Bessere", hochgestellte Mütter standen mit ihren heiratsfähigen Töchtern an der Residenz Schlange, kaum dass die eiligst gedruckten Postkarten des neuen, hübschen 18jährigen Monarchen unter das Volk verteilt waren.


Wie er endete Ludwig II. und sein Psychiater treiben 1886 tot im Starnberger See

Zwei Leichen treiben am 13. Juni 1886 tot am Ufer des Starnberger Sees; neben dem König sein Psychiater Prof. von Gudden. Aber warum?



Das exotische Paradies Ludwigs II. mitten in München Der exotische Münchner Wintergarten König Ludwig II.

Ludwig, der in Schloss Nymphenburg und der Residenz aufgewachsen war, suchte sofort ab dem 18. Geburtstag die Distanz zu Eltern und Hofstaat. Als eine seiner "kleinen" Fluchten ließ er sich mitten in München einen exotischen Wintergarten erbauen, der damals und heute noch seinesgleichen sucht - mit bisserl grünem Dschungel, bisserl Himalaya (kein Alpengipfel da im Bild oben), mit künstlichem Vollmond und Regenbogenprojektion. Technisch das Allerneueste, alles elektrisch beleuchtet, was das Münchner Volk noch nicht kannte.

Grundriss von Ludwigs Münchner Wintergarten

In dem 1400 qm großen Areal standen dem König und seinen wenigen Privatgästen u.a. zur Verfügung: eine kleine Moschee, ein indisches Maharadscha-Zelt, eine indianische (?) Schilfhütte, künstlicher Vollmond, eine Regenbogenmaschine und ein kleiner See. Manchmal gab es aus dem Hintergrund noch dazu Musik von Richard Wagner, die ein eingezwängtes Miniorchester spielen musste.



Die tollen Erfindungen von & für Ludwig II.

Ludwig war ein Technik-Enthusiast. Obwohl er sich seine Raumaustattung oder Kutschen gerne im damals völlig veralteten Rokokosstil designen ließ, war er in technischen Dinge ein absoluter Freak, der immer nach der allerneuesten Technik verlangte. So hatte er als erster elektrische Beleuchtung in München, was die Münchner Bürger überhaupt noch nicht kannten. Während die meisten Münchner schliefen, fing der Märchenkönig unter elektrischem Licht erst richtig zu leben an - Ludwig hatte bedingt durch Kinderkrankeiten eine echte (Sonnen-)Lichtallergie. So wurde er zum lichtscheuen Nachtmenschen mit viel Kunstlicht, Aufstehen um 19 Uhr mit Frühstück und das Mittagessen folgte zwischen 1 und 2 Uhr nachts. Zu Sonnenaufgang hieß es dann zu Bette zu gehen.

Das vermutlich erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug der Welt
war ein Schlitten Ludwigs II., mit dem er gerne nächtens auf Waldwegen
im Allgäu unterwegs war.

Das vermutlich erste elektrisch beleuchtete Fahrzeug der Welt war ein Schlitten Ludwigs II., mit dem er gerne nächtens auf Waldwegen im Allgäu unterwegs war. Eine große Akkuleuchte, eingebaut in eine Krone über den Köpfen der Schlitteninsassen, strahlte ein für die damaligen Bauern des Allgäus überirdisches Licht in die winterliche Nacht. Unter dem Sitz des Königs befand sich die riesige Akkubatterie - und wärmte vielleicht sogar Ludwigs Hintern im Winter. In Schloss Nymphenburg kann der Schlitten immer noch besichtigt werden.


Ludwig II. war technikbegeistert und ein Förderer modernster Technologien ...

Ludwig II. war ein Förderer neuester Technologien - Luftschiffe, das erste E-Werk der Welt und die erste Telefonanlage Bayerns

... so ließ er schon 30 Jahre vor Graf Zeppelin bayerische Ingenieure Luftschiffe entwerfen (Animation links oben), in Neuschwanstein die erste Telefonvermittlungsanlage Bayerns (rechts oben) und in Schloss Linderhof das erste Elektrizitätswerk der Welt einbauen (unten) zur Beleuchtung der Venusgrotte - allerdings sollte das alles eigentlich nur zur persönlichen Erbauung des Königs dienen ...

Natürlich nutzte Ludwig auch die kurz vor seiner Geburt erfundene Eisenbahn. Für die königliche Sommerfrische ließ der naturbegeisterte König sich einen Terrassenwagen anfertigen.

Hofzug und Terrassenwagen König Ludwig II.

Der Terrassenwagen Ludwigs II. im Deutsche-Bahn-Museum Nürnberg. Ungewöhnlich für einen Monarchen suchte Ludwig oft die Natur in Form von Seen, Bergen und Himmel - aber bitte nur nachts. Und so reichte ihm der Terrassenwagen nicht aus. Berichtet wird, dass er einmal auf dem Wege von München nach Starnberg mit seinem Eisenbahnzug unterwegs war, als ihn eine Mondnacht so ergriff und begeisterte, dass er in Pasing seinen Sonderzug anhalten ließ, um vorne am offenen Führerstand der Dampflok die Mondnacht neben dem Lokführer zu genießen - bei der Fahrt über Planegg, Gauting und das Mühltal.




"Wohnst Du noch oder lebst du schon?" könnte schon vor IKEA ein Leitmotto für Ludwig II. gewesen sein. Keinesfalls wollte Ludwig nur "wohnen", sondern vielmehr seine Fantasien umsetzen (lassen). Doch hielt es den Monarchen nie lange an einem festen Wohnsitz, vielmehr lebte Ludwig meist reisend aus dem Koffer ( also aus vielen Koffern ) und so wuchs die Zahl seiner prächtigen Wohnsitze immer weiter an, zwischen München, Starnberger-See-Jacht und einigen Alpengipfeln, auf die er sich mit der Sänfte hochhieven ließ.

Schlafzimmer König Ludwig II. in der Münchner Residenz

Das Schlafzimmer König Ludwig II. in der Münchner Residenz


Der bayerische König entwickelte sich so zum Chefarchitekten eines ambitionierten Schlösserbauprogrammes, was wegen der enormen Kosten und wachsenden Verschuldung Regierung und Hofstaat zunehmend ängstigte. Aber auch weil Ludwig wenig Lust zum Residieren in München zeigte. Mit der Hauptstadt hatte er sich völlig verkracht, da der Münchner Stadtrat sich schlicht weigerte, für den von Ludwig angebeteten Richard Wagner eine (Semper-)Oper neben dem Maximilianeum zu bauen und auch noch aus der Stadtkasse zu finanzieren.

Mit historischen Architekturvorlagen Statements der eigenen Gesinnung abzugeben, war im 19. Jhdt., dem Zeitalter des Historismus, gang und gäbe. Und Ludwig II. stand nun mal auf den - damals eigentlich völlig altmodischen - Rokokostil seines französischen Namensvetters Ludwig XIV.

Bei Ludwig ging das Ganze aber noch weiter. Obwohl Staatsoberhaupt von Bayern, das gerade ins Industriezeitalter durchstartete, flüchtete er in eine romantisierte, operettenhafte Gegenwelt des Mittelalters, in die er sich mit Richard Wagner zusammen hineinsteigern konnte. Egal, ohne seinen Sponsor Ludwig II. wäre das musikalische Genie Wagner wahrscheinlich als verarmter, heute vergessener Künstler geendet - wie so viele im 19. Jahrhundert.

Ludwig, von Erziehern als unmusikalisch beurteilt, kannte und liebte
ausschließlich die Musik von Richard Wagner - hier beide in Neuschwanstein

Ludwig liebte die Nacht, Berge und Mondlicht - ganz besonders in Neuschwanstein Der König liebte die Nacht, die Berge und das Mondlicht - und ganz besonders den fantastischen Ausblick von Neuschwanstein.
Ludwig, der sich ab den 1870er-Jahren - möglicherweise krankheitsbedingt - zu einem quasi lichtscheuen Nachtmenschen entwickelte, liebte besonders die Atmosphäre zwischen Tag und Nacht in den Bergen und stieg dafür sogar vor Sonnenauf- bzw. -untergang auf Berggipfel. Neuschwanstein sollte ihm diesen Ausblick dauerhaft bieten. Doch blieben ihm wegen seines frühen Todes nur ganze vier Nächte im Allgäuer Märchenschloss vergönnt.

Mit der Sänfte auf den Gipfel König Ludwig II. und sein möglicher Liebhaber Kainz

Bevor Ludwig mit seinem intensiven Schlösserbau begann, ließ er sich zum Genusse der Natur direkt auf dem Gipfel der gut 2000 Meter hohen Schöttelkarspitze im Karwendelgebirge einen "Pavillon" erbauen. Gut - der noch junge König gab sich damals noch mit einer Hütte zufrieden. Wie dort hoch kommen? Als König am einfachsten mit der Sänfte! Also wurde für den immer schwergewichtigeren Ludwig eigens ein ungewöhnlich komfortabler Serpentinenweg angelegt, der den königlichen Sänftenträgern genügend Raum und Atemluft ließ, ihren gnädigen Monarchen ganz nach oben zu schleppen. Weniger sportliche Bergspaziergänger profitieren heute noch davon!



König Ludwig und die Frauen

Ludwig hatte es - sagen wir mal so - nicht allzusehr mit den Frauen; auch wenn sein Großvater und Frauenheld Ludwig I. zu ihm gesagt haben soll: "Dir kann kein Weib widerstehen". Überliefert ist tatsächlich, dass die Damen reihenweise in Ohnmacht fielen, wenn sich der junge Ludwig II. bei Empfängen zeigte.

Zwar ließ sich der blutjunge König verloben - mit seiner Verwandten Sophie, einer Cousine und Schwester der österreichischen Kaiserin Si(s)i. Aber Ludwig löste wieder seine Verlobung "in beiderseitigem Einvernehmen". Ziemlich ehrlich gestanden der König und Sophie sich ein, dass die Gefühle füreinander nicht ausreichten. Tatsächlich gelang es den beiden, damit der damals im Hochadel üblichen dynastischen Zwangsheirat zu entgehen. Auf Dauer offenbar aber nur Ludwig: Seiner Ex-Verlobten Sophie sollte nämlich später ein ähnliches Schicksal wie dem bayerischen König widerfahren: Sie wurde von der Wittelsbacher Familie für verrückt erklärt und in eine Irrenanstalt eingeliefert, nachdem sie sich von ihrem späteren (zwangsvermitteltem) Ehemann, einem französischen Adeligen, scheiden lassen wollte.

Mögen die sich wirklich? Verlobungsfoto Ludwigs II. mit Sissis Schwester

Dieses offizielle Verlobungsfoto (links oben) sieht wirklich etwas gestellt aus. Rechts oben ein Portrait-Ausschnitt aus der vom Hof verschickten Mitteilungskarte zur Verlobung.

König Ludwig und die Männer

Nun ja - König Ludwig war schlicht und einfach viel mehr den Männern zugetan, worunter er durchaus litt, weil er das sehr wohl als "Sünde" ansah - dies wird von den Historikern verbürgt. Aber wirklich historisch gesichert ist doch wenig, insbesondere, wie viel oder wie wenig Ludwig seine Sexualität wirklich ausleben konnte oder es sich erlaubt hat. Von daher wird bis heute viel spekuliert: Sind seine Begegnungen mit Männern selten über Berührungen und Küsse hinausgegangen? Und die Frage, ob der König sich nicht gescheut hat, ihm untergebene Reitersoldaten sexuell zu missbrauchen (Quelle: Häfner), wird plötzlich zu mehr als einem delikaten Problem. Denn als Ludwig geboren und später König wird, ist Homosexualität in Bayern erlaubt (infolge der napoleonischen Reformen), aber nachdem Ludwigs Bayern 1866 einen Krieg gegen Preußen verliert, muss sein Königreich 1871 dem neuen deutschen Kaiserreich beitreten - und dieser autoritäre Obrigkeitsstaat macht per § 175 homosexuelle Handlungen zur Straftat. Ludwig musste das nicht stören, denn als König stand er im 19. Jhdt. über dem Gesetz. Aber Regierung und Hofstaat störten sich schon daran ...


Eine skandalöse 'Photographie' wird retuschiert

König Ludwig sitzt mit seinem wahrscheinlichen Liebhaber im Fotoatelier, dem Münchner Hofschauspieler Josef Kainz.

König Ludwig II. und sein möglicher Liebhaber Kainz

Originalfoto (links) und retuschierte, 'offizielle' Version (rechts). Der stehende junge Mann hat seine Hand auf die Schulter des Königs gelegt (links) und das auch noch in einem Photoatelier - im 19. Jahrhundert ist sowas einfach skandalös und wurde darum im veröffentlichten Bild (rechts) wegretuschiert. Einen König darf kein normaler Mensch einfach so berühren! Beim französischen Louis XIV. früher hätte das wohl Gefängnis bedeutet und im Mittelalter wäre mindestens die Hand weg gewesen. Und wer ist dieser vermutliche Liebhaber des Königs? Der Münchner Hofschauspieler Josef Kainz. Mit ihm reist Ludwig in die Schweiz an die Originalschauplätze von Schillers "Wilhelm Tell", damit Kainz ihm vor Ort den "Tell" rezitiert, wie es nun mal der romantische Ludwig liebt. Bei einer Schweizer Photo-Session entsteht dann dieses Bild. Ein braver bayerischer 'Photograph' hätte bei solcher Szene wohl lieber die Finger vom Auslöser gelassen ...


Nix G'naues woas' mer need ..., nichts Genaues weiß man also nicht, denn Ludwigs homoerotische Neigungen wurden - wie generell in europäischen Fürstenhäusern - auch bei ihm von Regierung, Hofstaat und sogar seinen psychiatrischen Gutachtern gedeckt - weil einfach zu skandalös im prüden viktorianischen Zeitalter. Nur - jeder Fürstenhof Europas war damals ein riesiger Intrigantenstadel. Etwas, was uns unter heutigen Demokratiezuständen erst wieder Onkel Donald Trump's Weißes Haus bieten kann, wenn auch mit etwas anderen Themen.


Selbst in New York kündigte sich die "Königskatastrophe" an Bereits am 13. Juni 1885, genau ein Jahr vor Ludwigs Todestag, berichtet eine New Yorker Zeitung über „ärztliches Einschreiten“ und eine „Isolierung des Königs“. Wenn solche brisanten Informationen - schon im 19. Jahrhundert - ausländische Blätter erreichen konnten, dann musste es sich bei dem, was sich da anbahnte, um eine größere Staatsaffäre handeln. Bemerkte der bayerische König nichts davon?




Regieren wollte Ludwig wie ein absolutistischer König; zu repräsentieren vergaß er jedoch völlig.

Wie sich die Bilder gleichen: Links der französische Sonnenkönig XIV.,
rechts sein bayerischer Namensvetter Ludwig II. - trotz fast zweier
Jahrhunderte Abstand.

Sehr verehrte Ludwig den absolutististischen Sonnenkönig Frankreichs und Namensvetter Ludwig XIV. - wie sich trotz fast zweier Jahrhunderte Abstand die Bilder gleichen: Links der französische Sonnenkönig XIV., rechts sein bayerischer Namensvetter Ludwig II. . Einzig deutlicher Unterschied: Bayerns König trug keine Perücke und zeigte auch keine strammen Beine mehr; aber sonst in einem äußerst ähnlichen Stil. Das Bild wurde jedoch erst nach seinem Tode gemalt - bewusst so?

Irgendwie lebte Ludwig II. im falschen Jahrhundert. So nahm er sich seinen französischen Namensvetter und Sonnenkönig Ludwig XIV. zum Vorbild - nicht nur für Möbelstil und Kutschendesign. Dessen Rokoko-Stil - bereits 200 Jahre zurückliegend - empfanden viele im anbrechenden Industriezeitalter als "ziemlich von vorgestern".

Dieser noch absolutistisch regierende Louis XIV. und seine Nachfolger konnten ohne Hemmungen so viele Schlösser bauen wie sie wollten, mehrfach den Staatsbankrott erklären, solange, bis halt nicht nur die Staatskasse brannte, sondern auch die Revolution ausbrach und der König einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Der bayerische Ludwig II. jedoch lebte mit dem 19. Jahrhundert in einem ganz anderen Zeitalter - nämlich unter einer Verfassung. Die Politik wurde immer mehr von den Politikern gemacht und König Ludwig konzentrierte sich darum zunehmend auf sein Lieblingshobby, das Bauen von fantasievollen Schlössern in ausgefallenen Stilarten.


Herrenchiemssee und Neuschwanstein - zwei der Wahnsinnsbauprojekte von Ludwig II.


"Der bedeutendste Traumhaus-Architekt des 19. Jahrhunderts" ...

... sagte der SZ-Kulturkritiker Gottfried Knapp über unseren Märchenkönig. Tatsächlich entwickelte sich Ludwigs Schlösserbau zu einer Art Sucht und Flucht aus der Realität des Eisenbahnzeitalters hin in mittelalterlich-operettenhafte Fantasiewelten. Herrenchiemssee und Neuschwanstein waren nur zwei der Wahnsinnsbauprojekte, die Ludwig II. vorantrieb. Herrenchiemssee (links) als ein verkleinerter Nachbau des Versailles von Louis XIV., aber gar nicht gedacht für die königliche Hofgesellschaft - wie einst beim französischen Sonnenkönig - sondern nur für Ludwig ganz alleine. Das Fremde seine Schlossbauten betraten ging überhaupt nicht. Allerhöchstens einer wie Richard Wagner durfte so etwas sehen. Mit Neuschwanstein (rechts) gelang es Ludwig und seinen Architekten dann, eine zwar pseudomittelalterliche, aber heute weltberühmte Ikone zu erschaffen, die später von Disneyland, Hollywood und Computerspielen immer wieder kopiert wurde.


Ganz anders als bei Louis XIV. war der König Bayerns seit 1818 nicht mehr das oberste Gesetz - "L' etat c'est moi" - sondern er unterstand der ersten deutschen Länderverfassung und konnte als Schuldner auch vor Gericht verklagt werden. 100 Gläubiger, insbesondere einige Schlossbauunternehmer, hatten Anfangs 1886 bereits Antrag auf Zwangsvollstreckung gestellt. Diesen Skandal wollte die Staatsregierung unbedingt vermeiden - und betrieb darum die Entmündigung des Königs, der jedoch seinen Schlösserbau - und einzigen Lebenssinn - überhaupt nicht stoppen wollte und konnte.

14.303.825,87 Reichs- oder Goldmark war Ludwigs Schuldenstand 1886.

14.303.825 Reichsmark und 87 Pfennige Schulden hatte Ludwig II. als er tot aufgefunden wurde.

Um sich eine Vorstellung der Höhe von 14 Mio. Mark Schulden im Jahre 1886 zu machen, sollte man den Betrag erst einmal mit 9 multiplizieren und man erhält einen Gegenwert an heutiger Euro-Kaufkraft, um Wirtschaftsdaten oder Finanzmärkte vergleichen zu können. Würde man aber Löhne von 1886 und heute als Vergleich zugrunde legen, hätten sich Ludwigs Schulden nach heutiger Kaufkraft sogar der Euro-Milliardengrenze genähert.

Viereinhalb Monate vor Ludwigs Tod bezifferte allerdings die Staatsregierung die Schulden bereits auf 20 Mio. Mark - indem sie Ludwigs neue Aufträge und Projekte bereits miteinkalkulierte. Ludwig standen jedoch an finanziellem Etat und Spielraum jährlich nur eine "Kabinetts-Kassa" von etwa einer Million Goldmark zur Verfügung. Er war damit also hoffnungslos überschuldet. Welche abenteuerlichen Pläne der König in seinen letzten Monaten noch verfolgte, um wieder an Geld und Kredit zu kommen, erzählen wir Ihnen bei dieser Stadtführung.


Als ihm Anfang 1886 darum der Chef der Bayerischen Staatsregierung, Johann von Lutz, eine Beschlagnahmung einiger Schlösser androht, schreibt König Ludwig an einen Vertrauten:

Ludwig II. drohte mit Selbstmord oder Exil, wenn er keine Kredite mehr bekäme

Ganze 120 Schlossbauunternehmer und Handwerker hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Antrag auf Zwangsvollstreckung gestellt - die Staatsregierung stand unter Zugzwang ... der Auftakt zum finalen Fiasko. Viereinhalb Monate später wird der König tot aufgefunden, was angesichts solcher Aussagen recht plausibel auf Freitod hindeuten könnte - würden nicht die Begleitumstände und medizinischen Befunde (heute) jeden Kriminalkommissar auf anderes hinweisen ...

Zu den näheren Todesumständen siehe weiter unten.

Nach Ludwigs Tod zahlte das Haus Wittelsbach, also Ludwigs Großfamilie, die angehäuften Schulden des toten Königs innerhalb von nur 15 Jahren zurück, insbesondere dank Tantiemen aus Wagner-Opern, die sich Ludwig zusichern hatte lassen. Der bayerische Steuerzahler musste also niemals für Ludwigs Schlösserbau aufkommen.

Wir besuchen Ludwigs letzte, unterirdische Ruhestätte - wenn er denn dort unten immer noch im tonnenschweren Sarkophag ruhen sollte, was einige radikale Monarchisten bezweifeln. Ludwig II.en heutige Ruhestätte in Krypta


Ludwigs Tod - ein ungeklärter Kriminalfall? Der König, der als guter Schwimmer galt, wird 42jährig tot im Uferbereich des Starnberger Sees aufgefunden - eine Woche nachdem die Bayerische Staatsregierung seine Entmündigung beantragt hatte, gestützt auf ein Ferngutachten des Psychiatrie-Professors Bernhard von Gudden. Dessen Leiche treibt neben der des Königs im Wasser. Literarisch wäre dieser Plot ein spannender Einstieg für jeden Krimi oder Historienfilm - nur war dies die harte Realität des 13. Juni 1886 am Starnberger See bei Berg.

Unzurechnungsfähig wegen Bausucht und Überschuldung? Ludwig II. und Psychiater von Gudden brechen zu ihrem letzten
und tödlichen Spaziergang auf

Psychiater Bernhard von Gudden (links) und Ludwig II. (rechts mit 42) brechen am 13. Juni 1886 zu ihrem letzten und tödlichen Spaziergang auf. Links unten das Gutachten, mit der Psychiatrieprofessor Gudden den König für unzurechnungsfähig erklärte hatte - ohne ihn vorher gesehen zu haben, nur nach "Zeugenaussagen".


Zwei Waserleichen nebeneinander müssten eigentlich jeden Kriminaler elektrisieren, besonders wenn bei der einen kein Wasser in der Lunge gefunden wurde und bei der anderen Leiche die Todesursache nicht näher untersucht wurde.

Woran starb nun Ludwig? +Zeitungsschlagzeile --LUDWIG II. TOT-- Extrablatt +

Einige Versionen erzählen wir Ihnen bei dieser Tour.


Ludwig II. war wohl ein ziemlich unglücklicher Mensch und Monarch in einer Zeitepoche, die für Könige und Kaiser keine Verwendung mehr hatte und in der die Macht an Politik (und Industrie) übergegangen war. Als Architekturkünstler hinterließ er große Spuren, von denen Bayern noch lange zehren dürfte. Vom Staatsoberhaupt und Menschen Ludwig bleibt uns eher die Erinnerung an ein tragisches Schicksal.


Trotz aller Spekulationen über Ludwigs Tod sollten Sie jedoch nie vergessen: Ludwig lebt - auch in dieser Stadtführung!

Ludwig-II.-Fans findet man bis heute

Ludwig-II.-Fans findet man bis heute, egal ob mit Rauschebart oder ob mit Dachappartment.

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