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Was die Welt Venedig verdankt



Die Welt verdankt Venedig u.a. das Spielcasino, die Kursivschrift, das Taschenbuch, blaues Glas, den Schickverkehr, die erste Digitaluhr, die Sehbrille, Quarantäne & Isolation, das Copyright, das Ghetto, die großindustrielle Fließbandproduktion sowie das anonyme erotische Faschingsvergnügen à la Carnevale veneziana per Maske, aber auch das erst öffentliche Opernhaus oder die Entdeckung Nordamerikas (wirklich! Kolumbus erreichte nur Karibikinseln) und mehr ...



Die großindustrielle Fließbandproduktion wurde nicht zum ersten Mal von Henry Ford im 20. Jahrhundert praktiziert, sondern bereits lange davor im Arsenale, der venezianischen Staatswerft, erfunden und praktiziert.

Zwar erfand Johannes Gutenberg zu Mainz den Buchdruck mit beweglichen Lettern, aber die Venezianer kopierten diese Innovation extrem schnell. Die Druckerzeugnisse des Aldus Manutius erstaunten ganz Europa. Dieser überaus gebildete Humanist revolutionierte den in Deutschland erfundenen Buchdruck durch diverse Neuerungen: Bessere Lesbarkeit durch Einführung von Interpunktion, handliche Bücher wie wir sie heute fast nur noch kennen und die Erfindung der Kursivschrift, um Platz und Papier zu sparen. In den ersten 20 Jahren des 16. Jahrhunderts war Venedig eines der bedeutendsten Zentren des Buchdrucks in Europa. Irgendwie passend dazu erfindet Venedig die Herstellung von Lesebrillen.

Durch die im Fondaco dei Tedeschi an der Rialtobrücke lebenden nordeuropäischen Händler gelangten die ersten Schriften Martin Luthers in die Stadt, um sogleich in die lokale Sprache übersetzt und von den Venezianern verschlungen zu werden. Seit Erfindung des Buchdrucks war die Herstellung von Büchern erschwinglich geworden und Venedig erfindet das Copyright zum Schutz der Verleger. Verfügbare Übersetzungen lösten geradezu einen Leseboom aus, dem sich selbst Analphabeten nicht entziehen konnten: sie lernten lesen oder ließen sich vorlesen. Eine Revolution des Geistes hatte eingesetzt. Selbst Handwerker wurden von der Lese- und Diskussionswut erfasst.

Laut historischen Quellen fand bereits seit 1170 in Venedig das erste Glücksspiel unter freiem Himmel statt, besonders in Zeiten des venezianischen Karnevals. Die ersten konzessionierten Spielhäuser waren im 14./15. Jahrhundert in Holland und Flandern anzutreffen. Das erste deutsche Spielhaus fand sich 1396 in Frankfurt am Main. 1638 wurde die venezianische „Ridotto“ erster ausschließlicher Glücksspielort.

Das Wort „Casino“ kommt aus dem Venezianischen und bezeichnete ursprünglich die privaten Räumlichkeiten, die die venezianischen Nobili in der Nähe des Dogenpalastes unterhielten, um dort ihre Amtstracht anzulegen, mit der sie zur Versammlung des Großen Rates bzw. als Amtsperson zu dessen Kommissionen und Regierungsgremien zu erscheinen hatten. Bald wurden diese Räumlichkeiten auch als Stätten der Geselligkeit genutzt und zum Synonym für Spielbank bzw. Spielcasino.

Das Wort „Casino“ bedeutet eigentlich nur „kleines Haus“, mithin das Gleiche wie „Ridotto“ = Palazzo reduto. Casinos wurden für verschiedene Zwecke genutzt, nicht nur als Vergnügungsstätten. Giacomo Casanova wohnte zeitweise in von ihm gemieteten bzw. ihm von seinen Gönnern überlassenen Casinos, wie man aus seinen Memoiren („Histoire de ma vie“) weiß.

1638 wurde im Palazzo Dandolo das erste öffentliche Spielcasino Venedigs – das sogenannte Ridotto (San Marco 1362) – eröffnet; Mitte des 17. Jahrhunderts waren es schon über 100. Die Glücksspielhäuser wurden in Venedig von Privatleuten – zumeist venezianische Nobilhomini – betrieben, bedurften aber einer Art offizieller Lizenz. Zum Ende der Republik 1797 waren es ganze 136!

Heute gibt es in Venedig seit 1945 nur noch ein einziges, das am Canal Grande gelegenes Casino. Der Palazzo, wo schon Richard Wagner sich in seinen letzten Lebensjahren einquartiert hatte.

1637 entstand in Venedig das erste öffentliche Opernhaus. Damit demokratisiert Venedig den Genuss von Musik. Jeder konnte sich jetzt eine Eintrittskarte kaufen ... also zumindest das wohlhabende Bürgertum, vorher waren Opernbühnen ausschließlich dem Adel vorbehalten. Orchestrale Musik konnte damals nur live oder gar nicht genossen werden, es gab noch keine CD-Player oder Schallplatten oder etwa Radio. Für Angehörige aus dem einfachen Volke blieb nur, selber Musik zu machen und davon machte Venedigs Volk - zumindest was das Singen betraf - reichlich Gebrauch.

Europa besonders und die ganze Welt verdankt Venedig einen Beweis, der für die Zukunft der Demokratien in der Welt vielleicht noch von unschätzbarem Wert sein kann, nämlich: Es geht auch ohne Alleinherrscher: Exakt 1100 Jahre lang wurden Dogen gewählt, und anders als z.B. in Florenz, Mailand oder gar im alten Rom konnte sich in Venedig nie eine Familiendynastie etablieren. Versuchte es einer doch, so wurde der Doge auch schon mal vor dem Dogenpalast öffentlich enthauptet und so hielten sich die reichen Patrizierfamilien gegenseitig in Schach damit kein Clan zu oft den Dogen stellen konnte. Sämtliche öffentliche Ämter wurden per Wahl - durch den männlichen Adel - auf Zeit vergeben.
Nur der Doge war auf Lebenszeit gewählt, durfte aber ab der Wahl keinen einzigen Schritt oder ein Gespräch mehr alleine machen oder sich gar vom Palazzo Ducale entfernen.

Dass sich trotzdem oder gerade aus Angst vor Putschversuchen und äußerlichen Feinden in den letzten Jahrhunderten der Republik eine bürokratische Staatsinquisition etablieren konnte, davon kann der Freigeist Casanova ein Lied singen, der als Venezianer zwei Mal eingekerkert und zwei Mal so ins Exil getrieben wurde.

Nicht umsonst stammt das Wort regata aus Venedig. 120 Bootswettkämpfe = Regatten finden im Sommerhalbjahr statt, die von einer eigenen städtischen Abteilung koordiniert werden.

Ballonbomben waren die ersten Kampfdrohnen der Geschichte und eine militärische österreichische Innovation von 1849 unter General Radetzky.

Sogar die Entdeckung Nordamerikas verdanken wir einem Venezianer und dies ist wirklich kein Scherz, sondern historisch belegt. Genua war sicherlich die große Konkurrenz für Venedig, aber darum sollte man den Genuesen Kolumbus nicht überschätzen, denn der entdeckte nur die Karibik. Nordamerikanischen Boden betrat zuerst als christlicher Europäer tatsächlich ein Venezianer, der mit seinem Projekt eines freien Seeweges nach Indien leider keine Unterstützung bei der damals so stolzen Seemacht Venedig finden konnte - mit katastrophalen Folgen für Venedig und zugunsten einer künftigen Groß- und Weltmacht. Darum trat er dann in die Dienste des englischen Königs und jetzt kennen sie einen der Gründe, warum Nordamerika nicht spanisch, sondern englisch werden sollte. Diesen Herrn namens Giovanni C., der aber erst als John. C. Amerika erreichen sollte, möchten wir Ihnen bei dieser Führung vorstellen sowie sein bis heute auffälliges Haus, direkt gelegen dort am Südufer Venedigs, von wo heute noch die meisten Schiffe ihren Weg aus der Lagune ins weite Meer suchen.

Trotz alledem: Wir dürfen nicht vergessen, wo vor der europäischen Kolonisation unseres Planeten der Schwerpunkt der Weltwirtschaft lag: In Süd- und Ostasien und zwar mit 2/3 bis 3/4 des Weltsozialprodukts - da sind sich alle Historiker einig. Und dahin kehrt er jetzt gerade wie hin zurück.
Denn China hatte mindestens vier große Erfindungen vor Europa: Papier, Buchdruck, Kompass und Schießpulver.
Und - um wieder auf Venedig zurückzukommen: Gerüchte besagen, die Spaghetti-Nudel könnte auch aus China gekommen sein, vielleicht über den Venezianer Marco Polo. Oder über andere südeuropäische Kaufleute.
Wer weiß?

Auch bei dieser Tour erfahren Sie viel an weniger bekannten Geschichten aus der Historie Venedigs.

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