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Austria & Germania in Venezia



Deutschsprachige Spuren in Venedig: Aus allen deutschen Landen reisten Adel, Vergnügungssüchtige und bildungsbeflissenes Bürgertum an, um das schon damals sagenhafte Venedig zu erleben. Die einen suchten Bildung, andere carnevale & amore. Wo saßen die deutschen Handelspartner Venedigs? Zuletzt mutierte Venedig zu einer österreich. Provinzhauptstadt unter Franz Joseph und Sis(s)i.

Napoleon, der Eroberer Venedigs, musste nach seinen ersten Niederlagen zwar die einst reichste Stadt Europas an das österreichische Kaiserreich abtreten. Trotzdem haben er und Österreich Venedig über 60 Jahre lang in der Art (um)gestaltet, wie wir es heute kennen. Manchen Campo oder Kanal, manche Straße gibt es erst seitdem bzw. sind seitdem verschwunden.

Wollen wir ganz ehrlich sein: Aus venezianischer Perspektive hieß die Besatzungsmacht im 19. Jahrhundert Austria und im 20. Jahrhundert auch kurz Germania, um mal im Sprachgebrauch Adolf Hitlers zu bleiben. Der übrigens nur ein Jahrzehnt vor der deutschen Besetzung Norditaliens am Markusplatz zu seinem ersten Staatsbesuch im Ausland antrat - bei seinem verehrten Vorbild Mussolini. Und der verlangte von ihm, die Selbständigkeit Österreichs zu garantieren, was dem braunen Österreicher aus Braunau überhaupt nicht gefiel.



Die "Teutschen" waren schon seit dem Mittelalter in Venedig vertreten und das an ganz prominenter Stelle. Sie errichteten direkt neben der Rialto-Brücke mit ihrer Handelsniederlassung eines der größten Gebäude der Stadt. Auch Niederländer und andere deutsche Dialekte sprechende Handelsherren hatten im Fondaco dei Tedeschi ihren Sitz.

Die deutschen Handelspartner waren so wichtig, dass sie sogar im Dogenpalast auf Großgemälden abgebildet wurden neben Handelsdelegationen der Türken oder Perser. Schließlich verkaufte Venedig "Spezereien", Seide oder Porzellan aus Asien zum großen Teil an Kunden nördlich der Alpen. Die exorbitanten Preise bei den damaligen Transportbedingungen kann man sich denken und darum blieben sagenhafte Gewinnspannen in Venezia hängen. Bei einem Gewürzimport aus Alexandria fiel für den venezianischen Kaufmann gerne das Hundertfache vom Einkaufspreis ab, für den deutschen Importeur vielleicht noch das Dreifache, trotz Transportes über die Alpen mit tierischen Lastenträgern.

Deutsche Künstler wie Albrecht Dürer holten sich ihre künstlerischen Inspirationen in Venedig, wobei das Ausnahmetalent Dürer in der Lagunenstadt ein solches Aufsehen erregte, dass der Doge ihm eine ansehliche Anstellung anbot, um im Wettbewerb mit Florenz und Rom diesen großen Renaissance-Maler gewinnen zu können.

Dürer war bei weitem nicht der einzige "Teutsche" in Venedig. Die berühmteste Stadtansicht vom alten Venedig, ein riesige 2,8 Meter großer Druck, stammt von Jacopo de Barbari, dessen "rotbärtiger" Name germanischer Vorfahren vermuten lässt. Nach der Fertigstellung von Venedigs Vogelperspektive ging de Barbari nach Nürnberg und diente bis zu seinem Lebensende deutschen Fürsten samt dem Kaiser als Hofmaler.

(BILD HIER EINFÜGEN)



Als die Franzosen 1797/98 zur großen Erleichterung der Venezianer abgezogen waren, wurden die nachrückenden Österreicher erst mal mit Freuden empfangen. Die Freude währte jedoch nur kurz, denn die neuen Herren brachten den Absolutismus in die Lagunenstadt: "Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, der Bevölkerung neue Steuern aufgebürdet, die Polizei griff hart durch", aus Angst vor Revolten. Außerdem kam es "zu zahlreichen Schauprozessen, vorwiegend gegen venezianische Intellektuelle".

Als Venedig nach erneuter französischer Herrschaft 1815 wieder an Österreich ging, war die Metropole "ein kulturell und wirtschaftlich desolates Gemeinwesen. Viele Einwohner hatten die Stadt verlassen. Zudem brach die Cholera aus. Die neue Herrschaft half beim Wiederaufbau.

Hausnummern, Zoll & Geld sowie der Aufbau "einer zeitgemäßen Stadtverwaltung" war Ziel der Österreicher. In den einzelnen Sestieren, den Stadtvierteln, wurden also die zumeist vierstelligen Hausnummern von den Österreichern eingeführt.



Die Svanzica war eine Silbermünze, die im österreichischen Reich und in Norditalien weit verbreitet war.



Das k&k-Kaiserreich hatte seine Provinz Venedig bereits 1861 an den neu gegründeten italienischen Nationalstaat abgeben müssen - hauptsächlich auf Betreiben eines gewissen Otto von Bismarck, der Austria aus einem künftigen Deutschland raushalten und damit auch schwächen wollte. BILDER Trotzdem wurde über 30 Jahre nach dem Verlust Venedigs in der österreichischen Metropole der erste Freizeit- und Themenpark der Welt eröffnet unter dem Titel "Venedig in Wien". Da konnte man sich in Gondeln sogar durch ein paar Kanäle schippern lassen. Diesen Wiener Park gibts schon lange nicht mehr, aber weltweit boomen inzwischen ähnliche Imitationen wie in [Fotos aus Videos holen!] Las Vegas oder Dubai. Schön für alle, denen Venezia und Europa einfach zu weit weg gelegen sind.



... Ballonbomben waren eine militärische österreichische Innovation von 1849 unter General Radetzky und wurden erstmals bei der Niederschlagung des venezianischen Aufstandes von 1848/49 gegen das k&k-Regime eingesetzt. Ballonbomben oder Brandballons sind unbemannte, ungelenkte Ballons, die eine Brand- oder Sprengladung tragen, welche nach einer bestimmten Zeit automatisch abgeworfen oder ausgelöst wird.
Der 1849 kurz vor der Kapitulation Venedigs angerichtete Schaden der jeweils mit 15-kg-Ballonbomben war zwar sehr gering, die psychologische Wirkung jedoch beträchtlich, denn wenige Wochen nach dem Beginn der ersten Luftangriffe der Weltgeschichte mit "Drohnen" kapitulierte die "Freie Republik Venedig", deren Aufstand gegen die österreichische Fremdherrschaft ein Jahr zuvor begonnen hatte.

In Venedig trafen Adolf Hitler und Benito Mussolini 1934 erstmals aufeinander. Zu diesem Zeitpunkt war Hitler noch der Lehrling und Mussolini sein bewunderter Meister, der aber die Unabhängigkeit Österreichs (noch) verteidigt.

Dieses spezielle und merkwürdige Kapitel der austro-germanisch-italienischen Beziehungen beginnt 1924, als der gerade aus dem Gefängnis entlassene
politische Raufbold Adolf Hitler den von ihm bewunderten italienischen Diktator Benito Mussolini um eine Autogrammkarte bittet, was von der italienischen Botschaft höflich abgelehnt wird. Zehn Jahre später muss Mussolini auf Augenhöhe mit dem frisch gebackenen deutschen Führer-Kollegen aus Berlin verhandeln - es geht um Österreich und Südtirol - und lädt diesen nach Venedig ein, da der verhinderte Künstler FOTO Adolf Hilter auch mal auf die Biennale möchte. Hitler, der nie im Ausland war, steht eher wie ein Lehrling neben dem Duce, seinem großen Vorbild, auf der Tribüne am Markusplatz (die Bühne steht irgendwo vor dem Cafe FLorian - siehe Foto).

Mussolini verhandelt hart, weiß sich prachtvoll zu inszenieren und sein Diktatoren-Kollege Hitler wird daraus einiges lernen.

FOTO Mussolini und Hitler am Markusplatz

In den weiteren zehn Jahren wird sich dieses Verhältnis radikal umkehren: Hitler degradiert den einst von ihm bewunderten Duce Stück für Stück zu seiner politischen Marionette. Solange, bis es für beide böse enden wird.

Wir können - bei entsprechendem Interesse Ihrerseits - gerne Bezüge herstellen, welche das europäische Handelszentrum Venedig mit verschiedenen deutschen Städten hatte. Zum Beispiel mit ...
Hamburg/Bremen/Lübeck: Warum schlossen sich die italienischen Seehandelsstädte wie Venedig, Genua, Pisa oder Amalfi nicht zu einer Art Hanse zusammen wie die meisten nordeuropäischen Handelsmetropolen, sondern führten ständig Krieg miteinander?
Nürnberg: Die Herausbildung der politisch allein bestimmenden Patrizierfamilien lief (nicht nur) on Venedig und Nürnberg ziemlich ähnlich ab. Parallel hatten beide Handelspartner nach dem Ende des Mittelalters eine lang anhaltende Niedergangsphase, welche bei beiden damit endete, dass Napoleon ihnen ihre Selbständigkeit als unabhängige Stadtrepubliken nahm.
Augsburg: Jakob Fugger, der in Augsburg zum wohl damals reichsten Menschen des Planeten mit einem Vermögen von über einer Billion Euro (nach heutiger Kaufkraft), lernte in seiner Jugend in der venezianischen Niederlassung der Fugger sein kaufmännisches Handwerk.



Wie immer erfahren Sie auch bei dieser Tour viel über die weniger bekannte und oft vergessene Geschichte Venedigs. ODER Auch bei dieser Tour erfahren Sie viel an weniger bekannten Geschichten aus der Historie Venedigs.






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