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Giacomo-Casanova-Tour



Einer der gebildetsten & interessantesten Zeitzeugen Europas aus der "Traumzeit Venedigs" ist das Multitalent Giacomo Casanova, der als Alchemist, Jurist, Priester, Heiler, Glücksspieler, Erfinder, Knastausbrecher, Geiger, Unternehmer, Kalenderreformer, Librettoschreiber (für Mozart!), Lotterie-Erfinder und ... Frauenverführer tätig war.



Hier gelingt Casanova gerade der Ausbruch aus dem Bleikammern-Gefängnis des Dogenpalastes, was vorher noch niemandem gelungen war. Nur stellt dieses Gemälde EINE Version seiner Flucht dar. Links unten im Bild wird er auf der Rückseite des Dogenpalastes in eine Gondel verfrachtet.

Casanova's Version ist jedoch eine andere: Er seilte sich aber nicht ab, sondern er steigt vielmehr auf's Dach. Aber wie entkommt jetzt Giacomo Casanova vom Dach des größten fast komplett freistehenden Gebäudes in Venedig? Aber stimmt diese Version überhaupt? Über dieses und vieles anderes reden wir bei dieser Führung.



1725 wird Casanova hineingeboren in ein Venedig, das Europas Adel ein solch ausschweifendes dolce vita als Dienstleistung anbieten konnte, wie es im übrigen Europa nirgendwo sonst denkbar war. Obwohl aus einfachen Verhältnissen stammend, gelingt ihm mit viel Geschick und Glück der Aufstieg zu einem Leben und einer Rolle, die ihn heute als d e n Lebemann des 18. Jahrhunderts erscheinen lässt. Aber anders als viele adelige "Playboys" seiner Zeit musste und konnte der eigentlich mittellose Casanova viel Geld verdienen oder "auftreiben", was ihm dank seines Ideenreichtums und seiner Intelligenz auch immer wieder gelang.

Was ihn auch zum Gesprächspartner für Könige, Päpste und die Zarin machte.

Als Freigeist und Freimaurer wird er in Venedig jedoch schon frühzeitig als "politisch gefährlich" eingestuft. Zwei Mal landete er jung im Gefängnis und zwei Mal muss er aus der Lagune fliehen, tourt dann mehr als sein halbes Leben durch Europa, findet ständig neue Rollen, neues Geld und neue Frauen, und beweist sich so als ein grandioser Lebenskünstler und Glücksspieler seines eigenen Lebens. Er spricht mit den größten Monarchen Europas und zwei Päpsten, schreibt das alles auf und hinterlässt uns so ein ungeschminktes, ehrliches Sittengemälde der alten Welt von vor 1789 und der Französischen Revolution. Dass er mehr Zeit durch Europa tourte als er in Venedig gelebt hat, ist für uns Nachgeborene ein Glücksfall und macht heute den eigentlichen Wert seiner Schriften und den (Nach)Ruhm Casanovas aus.


Warum aber ist er ein seit 200 Jahren etwas überschätzter Frauenheld, warum wurde er andererseits lange völlig unterschätzt als der vielleicht beste literarische Zeitzeuge der untergehenden Gesellschaft des Ancien Regimes? Sein Image als Erotomane verdankt Casanova einer verkürzten und reißerischen Übersetzung des prüden 19. Jahrhunderts, verbrochen von Brockhaus, die sich aber sehr gut verkauften.
Aber wenn wir schon beim Womenizer Casanova sind: Die Leiterin des Deutschen Studienzentrums in Venedig (ja, das gibt's; übrigens in bester Lage mit großer Terrasse am Canal Grande) ist auch Autorin einer wissenschaftlichen Arbeit über Casanova und resümiert zu seinem Frauenverständnis: Der Verführer suchte sich keine weiblichen Eroberungen aus einer Machtposition heraus, z.B. mit einem Heiratsversprechen oder so wie ein hochgestellter Adeliger vielleicht eine arme Dienstmagd bedrängt. Nein, Casanova suchte Frauen auf Augenhöhe, die sich einfach für ihn als begehrenswerten Außenseiter interessierten. Er "fühlte sich zu selbstbewussten, klugen und gebildeten Frauen hingezogen, die er als Partnerinnen akzeptieren konnte", so der bekannte Psychologe und Autor vieler Bücher über herausragende Frauen, Dieter Wunderlich. Also eine recht moderne Einstellung.
Als jemand von keiner adeligen Herkunft, der aber meist in höher gestellten Kreisen verkehrte, musste er sich sehr geschickt und auffällig intelligent verhalten, um beachtet zu werden. Und das gelang ihm ebenso bei reichen Männern wie wohlhabenden Damen, von denen er sich auf verschiedenste Weisen das Geld für seinen aufwendigen Lebensstil holte.


O-Ton Casanova: „Ich war Wüstling, Spieler, kühn in meinen Worten und dachte grundsätzlich nur daran, mein Leben zu genießen“, bekannte Casanova, „aber in all diesem sah ich kein Staatsverbrechen“. Warum ihn aber trotzdem die staatliche Inquisition nicht nur einmal ins Gefängnis steckte, u.a. darum geht es bei dieser Führung.



Jenseits dieses Frauenhelden Giacomo ist aus heutiger Sicht aber noch interessanter, dass der Abenteurer Casanova gut vier Jahrzehnte lang durch Europa tourte und sich als ständig neu erfand oder erfinden musste als
Priester, Jurist, Alchemist, Astronom, Diplomat, Goldmacher, Übersetzer (von Homers Ilias) Erfinder, Textil-Unternehmer, Börsenhändler, Marine-Leutnant, Entertainer, Musiker (Geige), Opern-Librettist (auch für Mozart), Kalenderreformer, Bodenreformer, Heiler, Glücksspieler und nicht zuletzt als Womenizer.

Man könnte den geborenen Venezianer durchaus als einen der ersten Europäer und nicht weniger als eine Art Universalgenie bezeichnen, gilt er zudem doch heute als einer der gebildetsten Menschen seiner Zeit und war darum geschätzter Gesprächspartner u.a. des französischen und englischen Königs, von Friedrich dem Großen, der Zarin Katharina der Großen oder zwei Päpsten.

Wie kommt man aber im 17. Jahrhundert an solche exzellenten Kontakte? Neben Empfehlungsschreiben war eine von Casanovas Schienen durch Europa, dass er mit einer Art "Freimaurer-Pass" reiste (Goethe, der von Beruf immerhin Minister eines Kleinstaates war, z.T. auch), was ihm z.B. Kontakte zu aufgeklärten Salons und zur gebildeten Oberschicht verschaffte.

Weil er gesellschaftlich von unten kam - seine Eltern waren Schauspieler - konnte er ziemlich respektlos die Welt der Großen, Mächtigen und Schönen, aber auch die der Armen beobachten und beschreiben. Das macht ihn, den Vielschreiber, übrigens so wertvoll für die heutige Geschichtsforschung um das Zeitalter des ausgehenden Ancien Regime zu verstehen.





Bei dieser Führung besuchen wir Stationen seines Lebens in Venedig und gehen folgenden Fragen nach:

Wo wurde Giacomo Casanova geboren?

Ist sein Vater wirklich der frühverstorbene Schauspieler oder ein angesehener Patrizier Venedigs, der interessanterweise nach dem frühen Tod seines Vaters finanziell für seine beste Ausbildung samt Studium sorgte?

Seine Mutter Schauspielerin muss selber eine erotisch auffällige Figur gewesen sein. Sie tourte ebenso wie später ihr Sohn durch Europa und hatte dabei u.a. eine Affäre mit dem jungen, späteren König von England.

Wo wurde er - dank seiner medizinischen Kenntnisse - durch glücklichen Zufall zum Lebensretter seines künftigen Gönners?

Wo fiel Casanova als junger Priester von der Kanzel - und das nicht ganz ohne Absicht?

Wo verkehrte und wohnte er sogar zeitweilig am Markusplatz?

Wer waren in Venedig seine adeligen Sponsoren und Freunde, wer seine Feinde?

Wie und wo gelang ihm der Ausbruch aus dem Bleikammern-Gefängnis des Dogenpalastes, was niemandem vorher gelungen war?

Die Delikte, wegen derer Casanova in den Bleikammern des Dogenpalastes landete, würde kein Staatsanwalt im heutigen Europa mehr akzeptieren: "Libertinismus, Atheismus, Okkultismus und Freimaurerei".

Warum aber musste er trotz Amnestie und adeliger Gönner später ein zweites Mal wieder aus Venedig fliehen?

Warum ging mit dem Ende der Republik Venedig auch Casanovas Welt unter? Warum kehrte er nicht mehr zurück, obwohl ihm nach Napoleon doch keine Verfolgung mehr durch die venezianischen Staatsinquisition drohte?

Was machte Casanova zu so einem typischen Venezianer, obwohl er doch den deutlich größeren Teil seines Lebens außerhalb von Venedig und Italien verbracht hatte?


Noch erstaunlicher als die Vielzahl seiner behaupteten 600 weiblichen Eroberungen (116 bzw. 142 von ihnen hat er - je nach Quelle - in seinen diversen Büchern einzeln beschrieben) nimmt sich die lange Liste seiner beruflichen Tätigkeiten aus, so der Historiker Arne Karsten. Denn regelmäßig erfand sich dieser Lebenskünstler neu, wechselte seine Identitäten ebenso wie seine Geliebten - mit folgenden Rollen:

Alchemist, Astronom, Buchautor, Diplomat, Bodenreformer, Philosoph, Philologe, Librettoschreiber, Orchestermusiker (Geige), Übersetzer (von Homers „Ilias“), Ökonom, Lehrer, Historiker, Duellant, venezianischer Spion (derselben Staatsinquisition, die ihn früher ins Gefängnis geworfen hatte) und Mitbegründer der französischen Staatslotterie, außerdem ausgebildeter Mediziner, Börsenmakler, Kalenderreformer, Verleger, Bibliothekar, Autobiograf und dazu Strafgefangener. Aufgrund von (Spiel)Schulden, seiner oft nur kurzzeitigen Erfolge, Krankheiten oder auch mal einem Duell, musste Casanova oft "verreisen" und den Ort wechseln, um dann wieder neue Projekte in Angriff zu nehmen und so kam schließlich die lange obige Liste zusammen.

Beispiele gefällig? 1775 bis 1778 veröffentlicht Casanova drei Bände einer Übersetzung von Homers Ilias ins Italienische, die aber auf dem Buchmarkt so wenig Beachtung finden, dass der abschließende 4. Band ungeschrieben bleibt. 1779 veröffentlicht der Vielschreiber ein Buch gegen Voltaire, mit dem ihn eine Art Hassliebe verbindet, weil weltanschaulich passen sie gut und doch nicht zusammen: Voltaire verkörpert bereits das kommende Revolutionäre ( 1789! ) der Aufklärung; Casanova hingegen ist Günstling der Adelsgesellschaft und des Ancien Regime. Obwohl durch und durch ein Freigeist - und dazu Freimaurer - musste er damit politisch anecken. Dazu passend stellt Casanova 1781 sogar ein Verzeichnis der von der Kirche verbotenen Bücher zusammen. Denn zeitweise ist er, der gelernte Priester, ein Günstling des Papstes und dieser persönlich gewährt ihm Zugang zur Vatikanischen Bibliothek.

In dieser Kirche predigte Casanova als junger Priester ...

Ja - wirklich! Casanovas Aufstieg in Venedig begann als Priester, der mit einer Aufsehen erregenden Predigt in dieser hier oben abgebildeten Kirche begann - es sieht heute hier noch genauso aus - nur die Kirche ist geschlossen. Warum diese Karriere des als hoch talentiert angesehenen Predigers hier auch bald endete, klären wir bei dieser Führung. Am Ende stürzte der junge Casanova von der Kanzel ...



Möglich war das alles Casanova, da er neben seiner Muttersprache auch Französisch, Griechisch, Latein und Hebräisch beherrschte, sowie in den Naturwissenschaften, Philosophie und sogar medizinisch auf dem Stand seiner Zeit war. Nur so konnte er zufällig und spontan einem Adeligen und hohen Staatsbeamten Venedigs das Leben rettete, weil Casanova früher als viele Ärzte wusste: Quecksilber(pflaster) ist giftig und überhaupt keine geeignete Therapie bei Herzanfall oder Schlaganfall. Der das Quecksilber verabreichende Arzt verlor daraufhin seinen reichen Patienten und der so gerettete ältere Herr war ab da lebenslang Freund und Förderer des jungen Casanova.

Mit seiner Heimkehr nach Venedig brechen zwar seine Memoiren ab, aber genügend andere Quellen verraten uns den Rest seines Lebens. So musste er irgendwann wieder vor dem Zugriff der staatlichen Inquisition aus Venedig fliehen, nur diesmal "freiwillig", da er vorgewarnt wurde.


Bei dieser Führung gehen wir nicht nur zu den Wirkungsstätten dieses bonvivant. Wir reden auch über seine Familie, also seine Herkunftsfamilie. Zwei seiner Brüder brachten es als Künstler ziemlich weit in Europa. Giacomo Casanova litt zeitlebens darunter, dass er eher im Schatten dieser zwei prominenten Brüder stand, die seinerzeits - zumindest in Venedig und Deutschland - bekannter waren als er.



Casanovas Motto war: Oft verliebt, selten verlobt, nie verheiratet! Hatte er Kinder und wenn ja, wie viele? Ist Casanova vielleicht sogar von unehelicher adeliger Herkunft und wurde darum vom heimlichen Vater immer finanziell gefördert und konnte darum sowohl Juristerei, Theologie und Medizin gleichzeitig studieren? Einer der Liebhaber seiner Mutter war immerhin ein Kronprinz und späterer englischer König und könnte darum der Erzeuger eines seiner Brüder sein. Was für eine Mutter ...
Wir dürfen also davon ausgehen, dass er in gewisser Weise die Verführungskunst schon von seiner Mutter geerbt haben dürfte.

......

Es gibt seit 2018 in Venedig sogar ein Casanova-Museum, eine gut gemachte Multimedia-Show. Ich war einer ihrer ersten Besucher, Leider hatte sie relativ wenige Zuschauer; sie lag auch ein bisserl abgelegen in Cannaregio.

Ein Umzug ganz in die Nähe von Casanovas Geburtshaus nach San Marco war zwar schon für 2019 geplant, dann wurden aber die neuen Räume ganz nahe am Canal Grande erst im November 2019 durch das große Hochwasser überflutet und schließlich durch Corona weiter gestoppt. 2022 ist diese Ausstellung jetzt endlich dort in San Marco angekommen!

Der Freimaurer Casanova adressiert an diejenigen, die selber Freimaurer werden möchten, folgende Botschaft: „ ... Er muss allerdings in der Wahl der Loge sehr sorgfältig sein, ... Wer sich nur unter die Freimaurer aufnehmen lässt um das Geheimnis der Loge zu ergründen, der hat sehr zu befürchten, dass er unter der Kelle alt werden wird, ohne jemals in das Geheimnis dieser Bruderschaft einzudringen. Das Geheimnis der Freimaurerei ist durch seine eigene Natur unverletzlich. Wer das Geheimnis der Freimaurerei errät - denn man erfährt es nur, wenn man es selbst errät, der gelangt zu dieser Kenntnis nur durch häufigen Besuch der Logen, durch beobachten, überlegen und durch Schlüsse ziehen. Hat er das Geheimnis erraten, so hütet er es streng und vertraut es selbst seinem besten Freund in der Freimaurerei nicht an, denn er weiß, dass es keinen Zweck haben würde, es ihm ins Ohr zu flüstern, weil jener doch nicht das Talent haben würde Vorteil daraus zu ziehen, wenn er es von einem anderen zugeflüstert bekäme. Er schweigt und das Geheimnis bleibt stets Geheimnis.“ (Giacomo Casanova „Geschichte meines Lebens“ 3. Band S. 128).



Auch bei dieser Tour erfahren Sie viel an weniger bekannten Geschichten aus der Historie Venedigs.


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