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San Polo & Santa Croce geheim



Wir besuchen das Venezia ultra Canal grande, das sich jenseits und damit westlich der Hauptschlagader Canal Grande noch
ursprünglicher erhalten hat als das überlaufene Zentrum von San Marco gegenüber.

San Polo ist zwar der kleinste Stadtteil, gehört aber räumlich und historisch zum Herz Venedigs, da hier gegenüber vom "Riva Alto" (Rialto) auf sieben Inseln mit die ersten Siedlungen der Lagunenstadt entstanden waren. Santa Croce wiederum beherbergt mit dem Hafen und Autoverkehr den hässlichsten Teil Venedigs, aber auch viele der verbliebenen Wohngebiete Venedigs.
In den beiden Stadtteilen befinden sich die zwei größten Campi / Plätze nach der Piazza San Marco, wo sich noch der Alltag der verbliebenen Bewohner beobachten lässt.



Schauen wir uns Beispiele aus dem "verborgenen" San Polo und Santa Croce an:



Sofern es mit den Öffnungszeiten sich vereinbaren lässt, führen wir Sie in diese Katakomben; etwas ganz Besonderes. Denn welcher Stadtteil Venedigs außer San Polo hat schon etwas Unterirdisches zu bieten, wo Sie nicht sofort im Wasser stehen? Es gibt hier diverse Gänge und Kammern. Laut der Literatur sollen hier Freimaurer ihre Hände im Spiel gehabt haben. Aber urteilen Sie selber anhand der dort vorzufindenden Motive und Symbolik.



Ja - was ist hier gerade und was ist eben? Ganz einfach: Sauber senkrecht ist die Hanswand ganz rechts am Bildrand und waagrecht eben ist der Boden unter der Türschwelle, denn eine schräge Hanglage werden Sie nirgendwo in Venedig finden. Nein - im Verlaufe von über einem halben Jahrtausend haben sich schon mal der schlammige Untergrund und die Mauern so verzogen, dass eine Haustüre so schief werden kann. Hoffentlich muss der Schreiner nach dem nächsten Erdbeben nicht eine neue Türe anfertigen ... Gottseidank hat Venedig schon seit langem keine schlimmen Erdbeben mehr erlebt (ganz anders als im Mittelalter), da der feuchte Untergrund offenbar doch zu puffern scheint.




Westlich des Canal Grande war sozusagen immer die “B-Seite” der Weltstadt Venedig und doch wurde hier nahe der Rialto-Brücke die materielle Seite des venezianischen Welthandels abgewickelt. Hier befanden sich einerseits besonders viele Klöster, andererseits ging es hier auch besonders elitär zu. Was weniger verwundert, wenn man weiß, dass die Oberschicht ihre nicht ganz so hübschen Töchter in Klöster abgeschoben hat, weil die Mitgift für deren Verheiratung als zu teuer erachtet wurde. Da war das Kloster "billiger"; und gefragt wurde die Mädchen in aller Regel nicht, ob sie eigentlich lieber Ehefrau und Mutter werden wollten oder Nonne werden mussten. Mehr Alternativen gab es nicht - außer vielleicht Kurtisane werden; aber dafür war schon eine gewisse Attraktivität erforderlich.



Vom weltbekannte Graffiti-Künstler Banksy kennt die Weltöffentlichkeit nur seine Werke, aber weder seinen Namen geschweige denn ein Foto von ihm. Die Biennale hat ihn nie nach Venedig eingeladen - bis Banksy hier im Stadtteil dieses Graffito platzierte; prompt hat ihn der Bürgermeister eingeladen. Davon habe ich aber nie mehr etwas gehört, aber sicher ist daran nur Corona schuld ...






Dieser kleine Garten lädt zum Verweilen ein. das Gartentor vorne rechts steht offen, da der Garten zu einer staatlichen Institution gehört, die aber von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert wird. Schön für unsere Führung!




Das sind die Druck-Lettern einer richtig alten und klassischen Druckerei, die heute nicht viel anders und traditionell arbeitet wie bereits vor gut 500 Jahren die ersten Druckpressen. Die geschäftstüchtigen Venezianer hatten so ziemlich als erste außerhalb von Deutschland begriffen, welche technologisch-geistige Revolution der gute Guttenberg da in Mainz erfunden hatte. Bereits 50 Jahre später hatten sie Venedig als DAS Druckzentrum Europas etabliert - so wie es sich für die erste global handelnde Stadt Europas auch gehörte. Zudem durfte - anders als unter den zensurwütigen Fürsten Europa - in der Republik Venedig so ziemlich alles gedruckt werden, außer es enthielt Kritik an der durchlauchtigsten Serenissima und ihrer Staatsinquisition ( der republikinternen Stasi).


Irgendwo hier im Bild liegt die "Film- bzw. TV-Terrasse" von Commissario Brunetti. Seine englische Autorin mit Wohnistz in Venedig lässt ihre Bücher lieber nicht ins Italienische übersetzen - um hier anonym bleiben zu können. Und die Fernsehfassungen sind eigentlich eine rein deutsche Angelegenheit.







Warum endet da vorne an der Treppe das Wasser und öffnet sich da hinten eine richtige Straße? Weil dieser Kanal im 19. Jahrhundert einfach zugeschüttet wurde, so wie 50 weitere Kanäle um in dieser angeblich rückständigen und untergegangenen "Biber-Republik" (Goethe) Platz zu schaffen für Reiter, Kutschen und Militär sowie die ganzen Waren, die da jetzt mit der Eisenbahn über den neuen Verbindungsdamm vom Festland her anrollten. Der neue Herr Venedigs war nach der Niederlage Napoleons das Kaiserreich Österreich geworden, schon damals keine ausgesprochene Seemacht (aber doch mit einer k.-&-k.-Marine samt Kriegshafen Triest gegenüber von Venedig), ganz anders als die alte im Wasser gelegene Lagunenstadt. Kurzum: Man wollte im 19. Jahrhundert eine ganz normale Straßenstadt schaffen. Warum und woran das dann aber doch scheitern sollte, erzählen wir Ihnen bei dieser Führung. Übrigens: Reiten ist in Venedig seit einigen Jahrhunderten verboten und Fahrradfahren inzwischen auch! Was Mobilität betrifft, akzeptiert Venedig bis heute ausschließlich Verkehrsmittel, die schon vor der Sintflut üblich waren: Also zu Wasser und zu Fuß.




Das war mal ein Kirchturm, der obere Turmteil wurde abgetragen. Das ist mit nicht wenigen Türmen Venedigs passiert. Denn spektakuläre Turmeinstürze, wie sie in früheren Jahrhunderten immmer wieder vorkamen, sollen vermieden werden wie zuletzt 1902 der des großen Campanile am Markusplatz. .... Nicht nur, um einen Turmeinsturz zu verhindern, sondern um generell böse Geister abzuwehren, befinden sich allerlei böse Fratzen an der Fassade. Was sich heute im Turm befindet, erfahren Sie bei dieser Führung.







Traditionell standen Venedigs Kirchenführer eher in Opposition zur römischen Kirche. Vielleicht kamen darum die Reformpäpste des 20. Jahrhunderts beide aus Venedig, d.h., sie waren zuvor hier Erzbischof. Hier eine Gedenktafel für einen der beiden Patriarchen. Ironisch das Graffito darunter.













Mit der Verbreiterung dieser Haustüre im untersten Bereich hat es eine besondere Bewandtnis: Hier wurden Weinfässer hinein und heraus gerollt.




















Auch bei dieser Tour erfahren Sie viel an weniger bekannten Geschichten aus der Historie Venedigs.

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