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Castello geheim



Im alten Arbeiterbezirk Castello gibt's mehr Promenaden, Schiffe und Oligarchen-Yachten als sonstwo in Venedig - und den ersten militärisch-industriellen Komplex der Welt. Der größte Stadtteil Venedigs umschliesst nämlich das alte Arsenale, die hinter riesigen Mauern einst streng abgeschottete Werft der Seemacht Venedig.
Vom Zentrum San Marco bis zu den Giardini- und Biennale-Gärten reicht Venedigs größter Stadtteil Castello, benannt nach einer einstigen Burg (Kastell), aus der heraus sich das Arsenale entwickelt hat, eine gigantische Werft, die Venedigs Seemacht sicherte. Im ersten militärisch-industriellen Komplex der Welt schufteten hier auf 48 Hektar bis zu 16.000 Arbeiter.

Schauen wir uns "verborgene" Beispiele aus Castello an:

1104 begann hier in Castello mit dem Aufbau des Arsenale, der staatlichen Werft, die alle Handels- und Kriegsschiffe produzierte und vorfinanzierte. Der Frachtraum dieser Schiffe wurde vom Hersteller Staat nur an die Kaufleute vermietet. Das reduzierte deren unternehmerisches Risiko und statt mächtiger Familienclans betrieb die Republik von Venedig das Geschäft, das heute private Reeder weltweit betreiben.

Castello war somit ein klassischer Bezirk der Arbeiter, die das allerwichtigste Instrument der Seemacht Venedig produzierten, die Schiffe der venezianischen Handels- und Kriegsflotte. Und hier begann bereits vor 900 Jahren der Bau der venezianischen Staatswerft, welche sich bereits im Hochmittelalter zum ersten und größten (militärisch-)industriellen Komplex der Welt entwickelt hatte, wo zeitweise bis zu 16.000 Arbeiter schufteten und wohnten. Interessant, dass ausgerechnet die durchaus sehr kapitalistisch denkenden Kaufleute und Patrizierfamilien den Bau ihrer Handels- und Kriegsschiffe in einem monopolartigen Staatsbetrieb konzentrierten. Warum? Weil sie bereits 700 Jahre vor der Industrialisierung die unschlagbare Effizienz von Standardisierung und "Fließband"-Fertigung einer Großfabrik erkannt hatten. So musste jeder vorproduzierte Schiffsrumpf sowohl als Kriegs- wie auch als Handelsschiff ausgebaut werden können. Ähnlich wie der Stahlfabrikant Alfred Krupp baute auch der venezianische Staatskonzern Wohnungen für seine Arbeiter. Wir führen sie zu einer Anlage solch mittelalterlicher Sozialwohnungen. Vielleicht durften darum die Werftarbeiter wegen ihrer Ergebenheit sogar die Leibwache der obersten Patrizier stellen. Interessant: Könnten Sie sich vorstellen, dass die englischen Werfteninhaber und Schiffsbauunternehmer der "Titanic" sich ausgerechnet eine Leibgarde aus ihren Proletariern zusammengestellt hätten?

Gleichzeitig ist Castello hinter dem Arsenale auch ein besonders "grüner" Stadtbezirk, wobei es aber die großen öffentlichen Giardini-Gärten im historischen Venedig gar so nicht gab, weil sie erst unter dem Venedig-Bezwinger Napoleon entstanden sind. Die Gärten jedoch zu Zeiten der Republik Venedig waren Privatbesitz wohlhabender Familien und ähnlich wie beim Vorbild der byzantinisch-orientalischen Architektur durch Mauern abgeschirmt. So wie vielleicht heute in lateinamerikanischen Metropolen.

Ganz in der Nähe der traditionellen Schifswerft des Arsenale ankern heute die absoluten Luxusgeschöpfe der Schiffsbaukunst, die Yachten der Milliardäre, die oft einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Wenn Sie herausfinden möchten, welcher der dort liegenden wem gehört, wir sagen es Ihnen bei dieser Führung bzw. wie Sie das künftig selber ohne größeren Aufwand herausfinden können.

Das nebeneinander von einem kommunistischen Parteibüro und einem Jesus-Heiligenschrein dürfte zumindest Herz-Jesu-Sozialisten erfreuen.

Hier in Castello wohnen noch echte Venezianer Castello war immer ein Arbeiterbezirk und solange hier noch Wäsche über der Straße hängt, kann man davon ausgehen, dass hier noch echte Venezianer leben und noch nicht durch Ferienwohnungen verdrängt worden sind.

Entfernt man sich von den Touristenmagneten Rialto und Piazza San Marco, so kann man durchaus interessante Schaufenster entdecken; hier ein Fotostudio, das vor gut einem halben Jahrhundert Berühmtheiten aus Cinecitta und Hollywood wie Filmstars oder Picasso in ihren jungen Jahren fotografieren konnte. Diejenigen, die nicht - wie die meisten davon - längst verstorben sind, sind heute ziemlich alt. Wie sagte doch die hier abgebildete und noch lebende Sofia Loren: "Alter(n) ist nichts für Feiglinge."

Die sehr verschiedenartig aussehenden Löwen vor dem Arsenale zeigen uns drei Dinge: Zum einen wussten schon im Mittelalter die Bildhauer nicht mehr genau, wie eigentlich echte Löwen aussehen. Dann waren die Löwenstatuen einst aus dem ganzen Mittelmeerraum von venezianischen Seefahrern und Kriegern zusammengeklaut worden. Und: Eine der Großkatzen hält ein für uns heute noch schwach sichtbares Geheimnis bereit: Eine banderolenartige Inschrift in skandinavischer Runenschrift. Wie konnte aber diese überhaupt in den Mittelmeerraum gelangen? Über die Geschichte dazu reden wir bei dieser Führung. So viel sei verraten: Es hat (in)direkt mit der großen Völkerwanderung nach Ende des römischen Reiches zu tun.

Eine Buchhandlung Venedigs hat in Castello eine originelle Lösung gefunden, um mit dem immer wiederkehrenden Hochwasser umzugehen: Die Bücher sind weitgehend in Gondeln und Badewannen gelagert, so dass sie beim Eindringen des Wassers in die Buchhandlung trocken bleiben und mit dem steigenden Wasserpegel einfach angehoben werden.



In Castello findet sich der niedrigste Sotoportego (Durchgang) Venedigs. Vergleichen Sie seine Höhe selber mit den Haustüren der Nachbargebäude.



Was es mit dieser Ein-Zeiger-Turmuhr von Maria Formosa auf sich hat, darüber sprechen wir bei dieser Führung durch Castello.



Castello ist der wichtigste Stadtbezirk in Sachen Biennale, da sich dort das zentrale Ausstellungsgelände befindet. Da aber die große Kunstveranstaltung inzwischen mit zig Außendependancen in Castello und der übrigen Stadt vertreten ist, bleiben auch - wie hier im Bild - oft Leute stehen, schauen und fragen sich: "Ist das Kunst oder kann das weg?"



Aus dem früheren Kastell, was dem Stadtteil seinen Namen gab, war schon vor über 900 Jahren das Arsenale entstanden. Die hier gebauten Schiffe bildeten das Rückrat der einstigen Seemacht Venedig. Obwohl die italienische Marine bis heute Teile davon in Betrieb und als militärisches Sperrgebiet dementsprechend auch unter Verschluss hält, sind doch große Teile des Arsenale dem Verfall preisgegeben. Achtung: Diese Teile des Arsenale sind nur zu Biennalezeiten zugänglich.
Die einst in diesen Hallen wurden gefertigten Schiffe mussten sowohl für Kriegs- wie auch für Handelszwecke im Mittelmeerraum einsetzbar sein. Die italienische Marine hat diesen Teil des Arsenales der Biennale überlassen.





Auch bei dieser Tour erfahren Sie viel an weniger bekannten Geschichten aus der Historie Venedigs.






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