Verrücktes München


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Wissen Sie, wo König Ludwig II. eine Regenbogenmaschine installieren ließ? Die Stadt ist voller Kuriositäten und Ungereimtheiten, die man oft erst auf en zweiten Blick sieht. Bei diesem Rundgang erfahren Sie z.B., wo Sie noch mit einem Paternoster-Aufzug fahren dürfen oder wo man begann, einen Atomreaktor in der Innenstadt zu bauen.

Öffentliche Uhren mit 3 Zeigern in München
Wir führen Sie zu zwei öffentlichen Uhren im Zentrum mit jeweils drei Zeigern. Was bedeuten die dritten Zeiger (nicht die Sekunde), die in beiden Fotos (oben) auf die 11 zeigen? Warum und wie wurde die eine der beiden Uhren auf den Protest der katholischen Kirche hin 1973 abgeändert?

PS: Bereits vor einem halben Jahr ist der dritte Zeiger stehen geblieben (auf dem linken Bild ganz links mit der weißen Sonne vorne am Zeiger). Da die Reparatur sich hinzuziehen scheint, betrachten Sie bitte den defekten Zeiger als ein schönes Beispiel für eine zwar langsame, aber nachhaltige und gründliche Arbeitsweise der Münchner Stadtverwaltung :-)



Ludwig II. als junger und älterer König + Monogramm Die Regenbogenmaschine von Ludwig II.
König Ludwig II. hatte ein schlechtes Verhältnis zur Stadt München, weil diese ihm den Bau einer Semper-Oper verweigert hatte (ja, genau von d e m jenigen Gottfried Semper, der Teile seines Münchner Entwurfes später beim Burgtheater in Wien und dem Hoftheater in Dresden umsetzen sollte). Vielleicht auch, um sich zu revanchieren, baute Ludwig seine Schlösser fern der bayerischen Landeshauptstadt und machte sich in München rar und unbeliebt. Er zog sich bekanntlich immer mehr in seine künstlerisch inszenierten Fantasiewelten zurück, als König konnte er sich das ja auch leisten. Allerdings - wie wir heute wissen - nur solange, wie seine Staatsregierung die enormen Ausgaben für den Schlösserbau noch akzeptieren wollte - und ihr Geduldsfaden war begrenzt ... Gleichzeitig war Ludwig aber auch ein äußerst moderner Mensch seiner Zeit, begeistert von neuester Technik - schließlich lebte er ja in der Hochzeit der Industrialisierung mit all ihren Erfindungen. Beide Neigungen vereinigte er dann bei der Realisierung seines fantastischen Wintergartens mit Palmen, Moschee, Himalayaansicht, Maharadschazelt oder wahlweise orientalischer Landschaft. Die Beleuchtung konnte sowohl Sonnenuntergang wie Vollmond realisieren. Wir zeigen Ihnen Originalfotos und Animationen davon.
König Ludwig II. Wintergarten und das ähnliche Staatskanzleidach Diese Dachkonstruktion der heutigen Staatskanzlei (links) ist dem Wintergarten König Ludwigs II. nachempfunden.

Durch das Ganze schlängelte sich ein künstlicher See, auf dem er alleine oder mit Gästen unter tropischen Pflanzen und Papageien Kahn fahren konnte .....

König Ludwig II. in seinem Wintergarten-Paradies

..... mit Blick auf den fernen Himalaya sowie Vollmond oder sogar einem Regenbogen, bei dem ihm eigens der berühmte Physiker Joseph von Fraunhofer eine Regenbogenmaschine konstruiert hatte.

König Ludwig II. in seinem Wintergarten-Paradies

Als Ludwig sich allerdings auch noch einen lebenden Elefanten für seine Zauberwelt wünschte - die Statik des Gebäudes war ohnehin durch das Gewicht des Wassers überfordert und es tropfte ständig in die unteren Räume durch - beschleunigte das nur seine Entmündigung, die mit Ludwigs tragischem und bis heute ungeklärtem Tod endete. Was dann aus dem Wintergarten wurde, wo er hin verschwand und ob man ihn in München wiederaufbauen sollte oder könnte, das erfahren Sie bei dieser Führung.


Ein Denkmal für den Kilometer

Der Großvater unseres Märchenkönigs Ludwig II. war Ludwig I., welcher der Moderne gegenüber deutlich weniger aufgeschlossen war. Aber auch dieser letzte absolutistische Herrscher Bayerns ließ etwas Modernes bauen: ein Denkmal für den Kilometer. Und zwar genau 1000 Meter lang - logischerweise! Damit die konservativen Bayern, die an ihrer Meile festhielten, ein Gefühl für den kürzeren Kilometer bekommen können. Wir zeigen es Ihnen. Es nutzte aber nicht viel; erst 1873 wurde der Kilometer in Bayern eingeführt - als eine Verordnung der neuen Reichsregierung in Berlin ...


"Stadt verkauft Luxuswohnungen an Reiche"
Stimmt nicht ganz, das wäre in diesem Fall durchaus eine Schlagzeile für ein Boulevardblatt wert gewesen. Denn irgendwie ist der Satz zutreffend. Als dem Münchner Stadtsäckel nach dem Jahr 2000 die Steuereinnahmen massiv einbrachen (dank rotgrüner Steuerreformen), machte die Stadt einen Deal mit einem Investor. Sie verkaufte einen alten, nicht mehr benötigtes, recht hohes Stadtwerkegebäude.

Münchner Penthouse auf Industriedenkmal
Der Immobilieninvestor machte aus jeder Etage eine 400 qm große Luxuswohnung mit Blick auf Stadt und Berge. Ganz oben entstand ein 700-qm-Maisonette-Penthouse mit Bergblick, das 14 Mio. Euro gekostet haben soll. Wir erzählen Ihnen, wer es gekauft hat.

Mobile Kugelbunker

Im Zweiten Weltkrieg waren Luftangriffe die größte der Gefahren für die Münchner Zivilbevölkerung. Um auch bis zu drei oder vierr vereinzelten Menschen - wie z.B. an offenen Baustellen - schnellen Schutz bieten zu können an Orten, wo kein Luftschutzbunker zur Verfügung stand, wurde die Idee kleiner runder "Kugel-Bunker" entwickelt. In der Münchner Altstadt können Sie noch einen davon sehen - wir zeigen Ihnen diesen ( leider nur im Sommerhalbjahr während der Sommerzeit möglich, im Winter wird er "weggepackt", da der Zahn der Zeit an ihm nagt ).

Kugel-Bunker aus 2. Weltkrieg in München Kugelbunker



Es gab Dampf-Trambahnen in München

Sowohl um 1885 wie auch in der Zeit der Kriegszerstörungen um 1945 gab es dampfgetriebene Trambahnen.

Dampf-Trambahn um 1885 am Münchner Stiglmaierplatz

Während des 2. Weltkrieges wurden durch die Bombardierungen immer mehr Trambahnzüge zerstört, so dass man - um den Nahnverkehr noch aufrecht zu erhalten - Bretteraufbauten zimmerte oder Güterwaggons einsetzte.

Not-Trambahnzüge in München um 1945



KO-Tropfen im Bier einer der größten Münchner Bierwirtschaften

In den 1980er Jahren wurde eines Abends eine alte Münchner Traditionswirtschaft von circa 80 Polizisten umstellt, gestürmt, dann für ein Jahr geschlossen und ein Teil des Personals wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht gestellt und verurteilt, weil sie systematisch und jahrelang Gäste mit KO-Tropfen betäubt und ausgeraubt hatten.

REALE BIERWIRTSCHAFT München 1950er


Das Erzbischöfliche Palais wurde erbaut für die uneheliche Tochter des Erzbischofs von Köln

Wie wurde vor Jahrhunderten im Adelsviertel ein edles Palais so gekennzeichnet, damit jeder bis heute sehen kann, dass hier ein „natürlicher Abkömmling“ der Wittelsbacher residierte, sprich: ein vom bayerischen Kurfürsten unehelich gezeugter, illegitimer Nachwuchs? Der groß gewordene Sohn wurde dann übrigens mit seiner Cousine, der unehelichen Tochter des Kölner Erzbischofs verheiratet, welcher der Bruder des bayerischen Herrschers war ... Vor 200 Jahren wurde der Erzbischof gezwungen, von Freising nach München in dieses sündige Wittelsbacher Palais umzuziehen. Und so muss auch der heutige Erzbischof und Kardinal unter nacktem griechischen Götterhimmel und zwischen nackten weiblichen Skulpturen amtieren und wohnen.

Bastard-Balken Wappen von-Holnstein


Ein Atomkraftwerksgebäude - erbaut in der Münchner Innenstadt
Becken bzw. Halle für die Brennstäbe eines Atomreaktors in der Münchner Innenstadt - erbaut in den 1950er-Jahren

Unglaublich, aber wahr: Mitte der 1950er Jahre wurde in der Innenstadt der allererste Atomreaktor Deutschlands geplant und das Reaktorgebäude dafür mitten in der Innenstadt errichtet.

Atomkraftwerksbau 1955 in Maxvorstadt München

Während der Bauzeit überkamen dem leitenden Professor Bedenken, "dass da irgendwann mal 'was passieren könnte" und der Reaktor wurde flugs nach Garching verlegt, wo so das spätere "Atom-Ei" entstand.
Wir zeigen Ihnen hier noch (Bild oben links) die erst 2014 am Eingang abmontierte atomare Überschrift; das Gebäude ist aber mit seiner gelben Klinkerfassade äußerlich unverändert. Heute dient der Bau kulturellen Zwecken, so wird z.B. im vorgesehenen Herzen des Reaktors, im Kühlwasserbecken der Brennstäbe, heute Musik gemacht - der nackte Betonraum Raum sieht aber immer noch ziemlich bombastisch und furchterregend aus. Dank seiner dicken Mauern bietet der Bau einen guten Schallschutz für übende Musiker.
Im Bild unten hat jemand - ein AKW-Gegner? - die "GEFAR" angesprayt; Rechtschreibung ist halt nicht jedermanns Sache ...

Atomkraftwerk Bau 1955 in Maxvorstadt München


Ein Denkmal für's Tauben füttern

Verrückt: Für etwas, was heute verboten ist wie Tauben füttern, wurde früher sogar ein Denkmal errichtet. Wir zeigen Ihnen die Statue der ersten Frau, die in München von ihrem eigenen Geld jahrelang Tauben fütterte. Daneben war auch ein spezieller Brunnen speziell für Tauben gebaut worden, damit diese dort trinken können; der Brunnen steht heute unter Denkmalschutz, ist aber vom Besitzer mehrfach so abgeschirmt worden, dass keine Tauben mehr dorthin gelangen können ... (Das Denkmal ist leider im Winterhalbjahr frostsicher eingepackt).

Tauben-Brunnen München gut abgeschirmt von Tauben


Überlebensgroßer Buddha vor Kircheneingang

Wo protestierte vor einigen Jahren noch die katholische Stadtkirche heftigst gegen ein asiatisches Restaurant, das einen großen sitzenden Buddha vor dem Lokal und ganz nahe einer Münchner Hauptkirche platzieren wollte? Der große Buddha blieb aus. Die humorvoll-ironische Reaktion des asiatischen Lokals war ein, zwar kleinerer, aber nackter Buddha - von hinten ...


Hitler im Kirchenfenster?

Hitler als frommer und betender Mensch? Schwer vorstellbar, auch wenn er immer brav seine katholische Kirchensteuer bezahlt hat, da er es nie wagte, aus der katholischen Kirche auszutreten.

Trotzdem: Einige alte Münchner Nazis sollen immer noch gerne zur Frauenkirche pilgern, wo in einem farbigen Glasfenster ein frommer Ritter abgebildet ist, der rein zufällig die Züge Adolf Hitlers trägt und eine Rüstung trägt ähnlich derjenigen, mit der Hitler in einer bekannten Nazi-Ikonographie als Ritter abgebildet wurde. Kein Scherz - wir zeigen Ihnen, wo. Das Fenster ist relativ schwer zu finden.

Hitler-ähnliche Figur in Ritterrüstung in Kirchenfenster der Frauenkirche


Das Siegesdenkmal der alten US-Südstaaten steht in München

Wo steht gut sichtbar und zentral in München das Siegesdenkmal der US-Südstaaten, das diese im amerikanischen Bürgerkrieg der 1860er Jahre bei der königlichen Eisenerzgießerei in München bestellt und nie abgeholt haben, da bekanntlich die Nordstaaten unter Lincoln siegten?

Siegesdenkmal Südstaaten in München - Siegesgöttin Nike und römischer Krieger Übrigens: Auch die Vorlagen für drei der US-amerikanische Denkmäler für den ermordeten Präsidenten Abraham Lincoln, darunter das berühmteste im Washingtoner Lincoln Memorial sowie das am New Yorker Union Square, wurden in der Münchner Erzgießereistraße hinter'm Stiglmaierplatz gegossen ...


Münchens höchstes Vogelhäuschen

Wir zeigen Ihnen auch Münchens höchstes Vogelhäuschen. Am Kamin eines Industriedenkmals hausen Turmfalken. Also, die hatten sich zu alten Industriezeiten hier schon angesiedelt, weil es in luftiger Höhe halt wärmer ist an einem heißen Kamin. Heute raucht der Schlot zwar nicht mehr, aber dank Natur- und Vogelschutz dürfen die Falken dort in Münchens höchstem Vogelhäuschen dort weiter wohnen.

Münchens höchstes Vogelhäuschen ist an einem Industrieschornstein

Diese und weitere Beispiele bei unserer Stadtführung „Verrücktes München“.


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