Hitlers München


Die frühe Geschichte Adolf Hitler ist untrennbar mit der Münchens verbunden. So stehen die wenig bekannten Seiten des jungen Hitler, z.B. als Wehrdienstverweigerer und Kriegsfreiwilliger (!), als Revolverheld, Lederfetischist oder eifersüchtiger Liebhaber sehr im Schatten seines späteren, diktatorischen Regierungshandelns.

Ohne München ist der Aufstieg Hitlers nicht vorstellbar, denn hier wurde es ihm bis 1923 bemerkenswert leicht gemacht.

Hitler jung und NS-Stadtwappen München Hitler jung und NS-Stadtwappen München



Hitler war Münchner, aber war er auch Deutscher !?

Eine nicht unberechtige Frage - rein statistisch betrachtet war Adolf Hitler 42 Jahre Österreicher, davon wohnte er aber mindestens die halbe Zeit in München, wo er insgesamt 32 Jahre als Bürger gemeldet war; als deutscher Staatsangehöriger aber nur die letzten 12 Jahre seines Lebens - das dann jedoch gleich als Reichskanzler und "Führer" des (Groß)Deutschen Reiches. Wie konnte so etwas möglich sein?

1912 zieht - nein - flieht er, anfangs als illegaler Zuwanderer und österreichischer "Fahnenflüchtiger" vor der Einberufung zum k.&k.-Militär in die bayerische Metropole. Als er über München hinaus schnell als politischer Raufbold bekannt wird, verhindert ein weitsichtiger bayerischer Innenminister Versuche seiner Einbürgerung, denn durch den Hitlerputsch von 1923 fühlte dieser sich gewarnt. Erst in der Woche, bevor Hitler 1933 zum Reichskanzler berufen werden soll, wird er schnell noch als Deutscher eingebürgert (jedoch nicht vom ablehnenden Freistaat Bayern, sondern vom NS-regierten Bundesland Braunschweig), denn Kanzler durfte nun mal kein Ausländer werden.

Der NSDAP-Verwaltungsbau und einer der beiden Ehrentempel am Münchner Königsplatz

Der NSDAP-Verwaltungsbau der Parteizentrale und links einer der beiden Ehrentempel für die beim Hitlerputsch 1923 ums Leben gekommenen Nazi-Märtyrer.

Der NSDAP-Verwaltungsbau der Parteizentrale und links einer der beiden Ehrentempel für die beim Hitlerputsch 1923 ums Leben gekommenen Nazi-Märtyrer.



Der Nationalsozialismus ist ein reinrassiges Münchner Kindl Trotzdem bleibt eine ungeklärte Frage: Wie ist es eigentlich möglich, dass ein bis zum 31. Lebensjahr solch erfolgloser und dazu noch orientierungsloser Mann 14 Jahre später Reichskanzler wird? Dazu gibt es historisch keine vergleichbaren Beispiele. Das ist das Thema dieser Tour.

Seinen unglaublichen Aufstieg hat Hitler weitgehend der bayerischen Metropole, ihrem Umfeld und seinen ersten Anhängern hier zu verdanken, wie auch z.T. der entschiedenste Widerstand und der bestdurchdachte Attentatsversuch in München stattgefunden haben. Das eigens von den Nazis abgeänderte Stadtwappen der "Hauptstadt der Bewegung" (Bild oben Mitte) bezeugt die Geburtsstadt des Nationalsozialismus.

Königsplatz-Panorama zur NS-Zeit mit NSDAP-Zentrale (links u. rechts) und 'Ehrentempeln'_(Bildmitte). Letztere ließen die Amerikaner nach dem Kriege sprengen; auf Ihren Sockeln wuchern bis heute ganze Bäume.

Königsplatz-Panorama zur NS-Zeit mit NSDAP-Zentrale (links u. rechts) und 'Ehrentempeln'(Bildmitte) Königsplatz-Panorama zur NS-Zeit mit Naziaufmarsch - Montage

Der in den 1830er Jahren von Ludwig I. und Klenze als griechische Anlage angelegter und begrünter Platz wurde in den 1930er Jahren von den Nazis mit Platten belegt ("Plattensee" nannten es viele Münchner) und damit zu einer Aufmarsch-Arena umgebaut. An der Ostseite - siehe Farbfoto - entstanden mit je zwei Zwillingsbauten die NSDAP-Parteizentrale und dazwischen die sogen. "Ehrentempel" für alle beim Hitlerputsch 1923 ums Leben gekommenen "Märtyrer".


Hakenkreuzsymbolik im heutigen  München

Versteckt existieren sie noch in München, die NS-Symbole eines Regimes, das gleich zu Beginn mit dem Anspruch eines tausendjährigen Reiches antrat. Obwohl die Hakenkreuz-Swastika heute doch eigentlich als verfassungsfeindliches Symbol verboten ist? Was auch manchen gedruckten Reiseführer erstaunt. Eine Erklärung dafür heißt z.B. Denkmalschutz. Wo beispielsweise die US-amerikanische Besatzung einen PX-Shop oder ein Casino betrieben hatte (wie im Bild links oben), beließ sie schlicht und einfach vieles unverändert. Nach dem US-Abzug konnte dann der deutsche Denkmalschutz sofort eine Unveränderbarkeit des Objekts verfügen, so dass selbst heute noch ein bayerisches Staatsministerium von Hakenkreuzgittern geziert sein darf.

ehemaligen 'Ehrentempel' der früheren NSDAP-Parteizentrale heute und damals

Mitten in München wuchern Büsche und Bäume auf den Sockeln der ehemaligen "Ehrentempel" der früheren NSDAP-Parteizentrale. Im Bild rechts die Nazi-Wallfahrtsstätte für die beim Hitler-Putsch 1923 "Gefallenen", ganz neu nach ihrer Fertigstellung 1935. Die Amerikaner ließen die beiden Tempel 1947 sprengen. Im Bild links der Zustand der (im rechten Bild hervorgehobenen) Ecke knapp 80 Jahre später 2014.



München ermöglichte Hitler den Aufstieg, stieg aber nach 1933 zur Partyzone des Dritten Reiches ab. So sehr der junge Nationalsozialismus ein reinrassiges Münchner Kindl ist, verliert München doch ab der "Machtergreifung" der NSDAP in Berlin zunehmend an Bedeutung. Zwar wird die NS-Parteizentrale am Geburtsort München groß ausgebaut, aber Hitler und seine Machtzirkel richten sich in der Hauptstadt Berlin ein. München besuchen sie nur noch zum Feiern diverser Jubiläen. Die Nazis greifen den weltweiten Trend zu mehr (Frei)Körperkultur auf und inszenieren - auch als Gegenentwurf zu Hollywood - im bislang katholisch-prüden München freizügige Veranstaltungen wie die "Nacht der Amazonen" im Schloss(park) Nymphenburg.

Nacht der Amazonen in Schloss Nymphenburg

(Halb)nackte Frauen auf Umzugswagen (Bild oben), Frauen in durchsichtigem Tüll auf Pferden oder Frauen in Minikleidern (Bild unten) gehörten zu dieser hollywoodähnlichen Inszenierung der "Nacht der Amazonen". Durchaus als alternative Konkurrenz zu Hollywood gedacht, nutzten die NS-Choreografen die Chance, durch die Inszenierung von z.T. völlig nackter weiblicher Haut weniger prüde als die puritanischen Amerikaner zu erscheinen.

Nackte Frauen tanzen vor verwundeten Wehrmachtssoldaten im Englischen Garten

Auch im Krieg geht die Unterhaltung weiter: Nackte Frauen tanzen zur Freude verwundeter Wehrmachtssoldaten im Englischen Garten.



Hitler kam als Fahnenflüchtiger nach München.

Wie kamen eigentlich Hitler und München zusammen? Zwei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg kommt der "fahnenflüchtige" Österreicher Hitler nach München (und nicht 1913, wie er später behaupten wird) um sich vor der Einberufung um Militär der Donaumonarchie zu drücken. In Wien war er zudem an der Kunstakademie abgelehnt worden; in München bemüht er sich mit begrenztem Erfolg, von ihm selbst gezeichnete Ansichtskarten an Touristen zu verkaufen.


Dann bricht der 1. Weltkrieg aus und Hitler entdeckt in einem Soldatenleben Sinn: Er meldet sich freiwillig - wie so viele andere - für Deutschlands Heer, jedoch nicht für das Österreichs, dessen Donaumonarchie und Vielvölkerstaat er nicht dienen wollte. Am Odeonsplatz jubeln die Menschen, die nach einer über 40jährigen Friedensperiode noch nicht ahnen, wie brutal ein erstmals industrialisierter Krieg mit Massenvernichtungswaffen über neun Millionen jungen Männern Europas das Leben kosten wird.

 Jubelnder Hitler am 2.8.1914 vergrößert aus Foto von Heinrich Hoffmann

Am 2. August 1914 bejubelt eine Menschenmenge den ausgebrochenen Weltkrieg (oberstes Bild), ganz vorne in der Menge der selig lächelnde Adolf Hitler, 25 Jahre alt. Auf den beiden Bildern darunter sieht man neben der Militärkapelle (Foto koloriert) einen Fotografen, vermutlich Heinrich Hoffmann, der das Foto von dieser Menschenmenge gemacht hat. Von diesem Foto wird er in der NS-Zeit viele Postkarten verkaufen - mit dem aus der Menge herausvergrößerten Hitler. Denn Hoffmann freundet sich mit Hitler an - beiden ist ihr Jugendtraum versagt geblieben, Kunst zu studieren - und er wird zum persönlichen Fotografen des späteren Diktators. Einige netten Kostproben dieser fotografischen Liasion finden Sie ganz unten am Ende dieser Webseite.

Der Führer mag keine Lederhosen Hitler posierte dabei für Hoffmann u.a. in Lederhosen und Waderlstrümpfen; Fotos, die Hitler später recht schnell unter Verschluss nehmen lassen wird. Darum wohl hat nur das von den Nazis geförderte weibliche Dirndl den deutschlandweiten Siegeszug als volkstümliche Tracht angetreten, aber leider nicht (oder Gottlob?) die männliche Lederhose ...

 Hitler in Lederhosen posierend

Bereits 1933 verbot Hitler seinem Fotografen Heinrich Hoffmann den Handel mit den Bildern, die ihn in Lederhosen zeigen. Vermutlich auch darum, weil der neue Reichskanzler nun als Führer aller Deutschen nicht mehr einem Kleidungsstück seiner österreichisch-bayerischen Herkunft identifiziert werden wollte.



Warum Hitler es in den vier (Ersten-)Weltkriegsjahren trotz Eiserner-Kreuz-Auszeichnung nur zum Gefreiten brachte, hat mindestens zwei Gründe: Zum ersten wollte Hitler nicht in die vorderste, tödliche Kampfzone "befördert" werden. Zum anderen gab es da noch einen brisanten Grund: "Nicht für Führungsaufgaben geeignet!" stand unmissverständlich am Ende eines militärärztlichen Gutachtens über ihn. Dieses gesundheitlich-psychologische Gutachten über Hitler wurde erst vor wenigen Jahren erneut entdeckt und das erzählen wir Ihnen bei dieser Tour.

Wie kam der einfach Soldat Hitler in die Politik ?

Ganz einfach: Der schon vor dem 1. Weltkrieg quasi arbeitslose Kunstmaler Hitler brauchte nach Kriegsende angesichts der Demobilisierung dringend wieder einen neuen Job und so wird er politischer Agent und Spitzel der Reichswehr (Propagandaabteilung der Reichswehrverwaltung), zur Beobachtung neuer, eventuell "gefährlicher Parteien" in der Weimarer Demokratie. Dort lernt er Menschen kennen, von denen viele später zur engsten Machtelite des Dritten Reiches gehören sollten.

In dieser Funktion besucht er am 12. September 1919 eine Parteiversammlung der Deutschen Arbeiter-Partei (DAP) nahe dem Isartor - wir zeigen Ihnen wo. Fasziniert vom dort vertretenen Gedankengut und herausgefordert durch die Thesen eines Professors in der Zuhörerschaft, ergriff aus dem Publikum heraus das Wort und zog große Aufmerksamkeit auf sein rethorisches Talent. Sofort vom Parteivorstand als Redner und "Werbeobmann" angeworben, war er bald das Zugpferd der dann schnell wachsenden Partei. Hitler füllt für seine Minipartei plötzlich die großen Bierhallen - dank seines emotionsgeladenen Redetalents, das hemmlungslos alle Vorurteile und Ressentiments gegen Juden, Politiker oder "die da oben" bedient.

Jubelnde Menschen Odeonsplatz 2x COLoriert

Der junge, aufstrebende Hitler achtete sehr auf modischen Kleidungsstil

Kein Scherz, sondern Ergebnis einer neuen modewissenschaftlichen Analyse. So hatte er 1920 aus England einen gerade absolut modischen und schmalen Minischnurrbart übernommen, mit dem sich junge Menschen von den überkommenen, aufgezwirbelten "König-Ludwig-Schnurrbärten" abgrenzen wollten. In seiner frühen politischen "Kampfzeit" lief Hitler noch in solchen Lederklamotten herum (Fotos oben links und Mitte), irgendwie schon passend für einen paramilitärischen Anführer österreichisch-bayuwarischen Schlages (was sogar die US-Illustrierte "LIFE" fotografisch würdigte). Wohlgemerkt: Diese Fotos hat der frühe Adolf von seinem Lieblingsfotografen machen lassen. Heute würde so ein rustikaler Kleidungsstil vielleicht noch zu einem verstaubten Pfadfinderimage oder in ein Landhaus-Modemagazin passen oder vielleicht auch in einen Schwulenkalender. Aber damals verkörperte das die zeitgeistige neue Einfachheit, nicht nur von Arbeitern und ländlichen Menschen. Erst später, mit den reichen, industriellen Sponsoren der NSDAP brachten zwei Unternehmersgattinnen Hitler einen bürgerlichen bis chic-modischen Kleidungssstil bei. Sie beschenkten ihn aber auch typgerecht mit Leder- bzw. Reitpeitschen, die Hitler zehn Jahre lang bis 1933 als persönliches Markenzeichen herumtrug, obwohl Hitler sich vermutlich nie auf ein Pferd getraut hatte. Doch damit fand er leichteren Zugang zu konservativen, reichen Industriellen und Parteispendern, denen wie ihm die neue Weimarer Demokratie missfiel.

Hitler, der sich immer als verkannter Künstler sah - an der Kunstakademie in Wien war abgelehnt worden - entwarf fleißig grafische Symbole für seine neue Partei, die er gerade "erobert" hatte. Der eigentlich nur als "Werbe-Obmann" engagierte Hitler riss in kurzer Zeit die Parteiführung an sich. Die völkische Ideologie der von ihm in NSDAP umbennte Partei sollte mit germanisch-mythologischen Symbolen unterstrichen werden. Hitler handschriftl. Skizzenentwurf des Hakenkreuzes

Hier eine von Hitler persönlich abgezeichneter Entwurf von 1920, in dem auch die Swastika, das indische Sonnenradsymbol auftaucht. Der Haken am Hakenkreuz war allerdings, dass bereits andere Konkurrenzgruppierungen das gleiche Symbol verwendeten. Diese wurden aber später von der erstarkenden NSDAP verdrängt. So ließ er bei seinen Parteitagen das Hakenkreuz von über 1000 Fackelträgern als marschierende und rotierende Swastika inszenieren. Ritueller NS-Aufmarsch der Teilnehmer des Hitlerputsches


So beginnt die wenig beachtete Vorgeschichte, warum der Nationalsozialismus ein reinrassiges Münchner Kindl ist, obwohl Hitler kein Deutscher war und er die ursprüngliche (NS)DAP gar nicht mitbegründet hatte. Wir erzählen Ihnen die ganze Geschichte samt ihrer unglaublichen Münchner Szenen, wie man sie heute kaum einem Filmregisseur oder Drehbuchschreiber abnehmen würde, obwohl sich das Ganze nach Zeugenaussagen und Polizeiberichten in dieser Stadt wirklich so abgespielt hat.


Sterneckerbräu - hier begann Hitlers Karriere

Im Hinterzimmer vom Sterneckerbräu - in der dunklen, schmalen Sterneckergasse nahe dem Isartor - begann Hitlers Karriere, als er durch sein Redetalent auffiel. Sterneckerbräu schloss 1957, lange befand sich hier "Schlafzimmer Stephan".

Hitlers erstes Arbeitszimmer im Sterneckerbräu - NS-Originaltext

Bild und Bildbeschriftung aus einer Nazi-Devotionalien-Schau, die man während der NS-Zeit im Sterneckerbräu veranstaltete. Wer nutzte dann eigentlich den Aschenbecher rechts neben der Schreibmaschine? (Hitler war Nichtraucher und Vegetarier).


Hier (Bild unten) wurde vor einigen Jahren wieder die Gedenkplatte aus dem Pflaster entfernt, welche an die vier Polizisten erinnerte, die 1923 bei der Niederschlagung des Hitlerputsches ums Leben gekommen waren. Warum erzählen wir Ihnen.

Entfernte Gedenkplatte für 4 Polizisten beim Hitlerputsch


Kann der Schatten einer Nazi-Gedenkplatte (Bild links) auch nach über 70 Jahren noch so gut sichtbar bleiben, wie im Bild rechts zu sehen? Besonders, wenn die Formate von Originalplatte und Schatten offensichtlich nicht übereinstimmen? Bei unserer Führung werden wir das vor Ort klären.

Schatten Nazi-Gedenkplatte Hitlerputsch


Wussten Sie, dass Adolf Hitler sich selbst erschießen wollte, nachdem seine Putschpläne im November 1923 gescheitert waren ? Eine frühe Nazi-Weggefährtin und ausgerechnet ebenso die Polizei hinderten Hitler daran - durch Verhaftung (Wir haben ehrlicherweise aber nur diese Aussage der Nazi-Dame als Beleg dafür). Am Vortag hatte die Polizei bei Hitlers Putsch ihn mit ihren Kugeln nur um Zentimeter verfehlt. Interessanterweise befinden sich die Todesanzeigen der bei der Schießerei ums Leben gekommenen Gegner in den MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN (SZ-Vorgängerblatt) fast nebeneinander: Todesanzeigen nach Hitlerputsch 1923 inkl. Göring

Die Anzeigen der toten Nazis sind braungelb eingefärbt, die eines der vier ums Leben gekommen Polizisten blau ("Friedrich Fink" - links).

Beim Putsch und dem abschließenden Kugelwechsel starb Hitlers Nebenmann, bei dem er seinen Arm so eng eingehängt hatte, dass der tödlich Getroffene im Fallen Hitler den Arm auskugelte. Wie rettete Hitler nun seine Haut? Und was war eigentlich mit dem späteren Hitler-Stellvertreter und Feldmarschall "Gö(h)ring" passiert (als "Flieger-Hauptmann" an 3. Stelle der Totenliste aufgeführt), der in dieser NSDAP-Todesanzeige noch als "gefallen" vermeldet wurde?



Hitler liebte von ihm mit entworfene pseudoreligiöse Rituale, wobei er gerne bei dem ihm verhassten Christentum abkupferte. Darum wurde sein gescheiterter Putsch nach der Machtergreifung 1933 jährlich zum Märtyrerritual hochstilisiert. Dabei durften die "alten Kämpfer" von 1923 ganz vorne marschieren. Hier drei Mal zu sehen, wie dieser Zug zwischen Marienplatz und Tal den Alten Rathausturm passiert, zwei Mal als Foto und ganz rechts als Gemälde. Ritueller NS-Aufmarsch der Teilnehmer des Hitlerputsches



Was wurde nach dem Krieg aus NSDAP-Zentrale und Königsplatz? Treppenhaus der NSDAP-Zentrale, heute Musikhochschule

Platz und Parteibauten wurden dem ursprünglichen Zweck des von König Ludwig I. erdachten Platzes zurückgegeben - der Kultur. So befindet sich heute im "Führerbau" z.B. die Musikhochschule.

Für die NS-Bauten wurde ja ab 1933 die Grünfläche des Königsplatzes mit Tausenden von Platten belegt (im Volksmund: "Plattensee"), um für Massenaufmärsche und Stiefelgleichschritt den richtigen Untergrund zu liefern.

Der 3.Reich-Königsplatz wurde sauber gehalten und durch Fahrverbote geschützt

Dieser Nazi-Aufmarschplatz wurde peinlichst sauber gehalten (siehe die Raumpflegerin im Bild links) und desweiteren durch Fahrverbote geschützt (rechts), indem kein LKW über 2 Tonnen ( das wären heute bereits SUVs ! ) und keine Pferdefuhrwerke den Platz überqueren durften.

Das demokratische München der Nachkriegszeit diskutierte ungefähr 44 Jahre lang darüber, was mit der Nazi-Hinterlassenschaft anzufangen sei und machte daraus solange einen XXL-Parkplatz für PKWs und Busse.

Der ehemalige NS-Aufmarschplatz Königsplatz diente jahrzehntelang als Münchens größter Parkplatz; hier auf Fotos aus den 1970er-Jahren bzw. auf einer Olyympia-Briefmarke.

Erst 1989 konnte man sich dazu durchringen, den Platz rückzubauen und damit wieder zu begrünen. Der ursprüngliche Bauherr des Königsplatzes, König Ludwig I. hatte sich von seinem Chefarchitekten Klenze ein "Athen an der Isar" mit drei griechischen Tempeln gewünscht. Ludwig dürfte heute wohl zufrieden sein, wenn er seinen griechischen Platz im ursprünglichen Zustand wiedersehen würde: Wo die Nazis auf einem Meer von Steinplatten Soldatenschritte erhallen ließen, genießen heute vorwiegend junge Menschen auf Grünflächen die Sonne.




Wer Hitlers Münchner Aufstieg hautnah und in literarischer Form nacherleben möchte, dem sei der Roman "Erfolg" von Lion Feuchtwanger empfohlen. Der geborene Münchner beobachtet die NSDAP bereits, als sie noch eine von vielen politischen Splittergruppen der Weimarer Republik war. Feuchtwanger bettet das ein in die gesamte politische und soziale Atmosphäre des damaligen München der Jahre 1921 bis 1924. Nicht ohne Grund trägt der Roman den Untertitel "Drei Jahre Geschichte einer Provinz". Einerseits eine oft verkannte Liebeserklärung an Oberbayern, liefert der Roman doch eine (r)echt gnadenlose Schilderung von Land und Leuten: "Die Bayern knurrten, sie wollten leben wie bisher, breit, laut, in ihrem schönen Land, mit einem bißchen Kultur, einem bißchen Musik, mit Fleisch und Bier und Weibern und oft ein Fest und am Sonntag eine Rauferei. Sie waren zufrieden, wie es war. Die Zugreisten sollten sie in Ruhe lassen ..." . Unter dem Motto "Bauen, brauen, sauen" wie Feuchtwanger es zusammenfasste ...

Lions Feuchtwangerswangers Roman ERFOLG über Bayern 1923

Da der Roman sehr zeitnahe bereits fünf Jahre vor (!) Hitlers Machtergreifung geschrieben wurde, sind alle Namen verschlüsselt. Die Nazis sind die "wahrhaften Deutschen" und ihr Anführer heißt dort Rupert Kutzner. Vom Ministerpräsidenten über den Wittelsbacher Kronprinzen bis hin zu Berthold Brecht sind an die 20 historische Persönlichkeiten in diesem "Reality-Roman" verarbeitet, was für die damalige Zeit eine hohe - und gewagte - literarische Leistung darstellt. Wofür sich die Nazis bald rächen wollen:

Feuchtwangers ERFOLG als Ausstellung im Literaturhaus München 2014

2014 würdigt das Münchner Literaturhaus Feuchtwangers Roman ERFOLG mit einer Ausstellung. Im mittleren Bild das Ausstellungsplakat der Hitlerfigur Rupert Kutzner. Man beachte die ausgebeulte Hose mit dem Revolver im Stiefelschaft, den Hitler in seinen frühen Jahren immer gerne getragen hat.

Der viel beachtete Bestsellerroman wird 1931 von den Nazis im "Völkischen Beobachter" mit der Drohung bedacht: "Nach dieser Leistung bleibt dem Löb Feuchtwanger wohl nur noch zu bescheinigen, daß er sich einen zukünftigen Emigrantenpaß reichlich verdient hat." Folgerichtig wird Feuchtwanger 1933 sofort ausgebürgert, sein Vermögen beschlagnahmt und seine Bücher auf dem Königsplatz mit verbrannt. Er flieht über Frankreich nach den USA, wo er 1958 in Los Angeles stirbt. Leider ist bis heute keine Straße in München nach Feuchtwanger benannt - schade. Mit seiner braunen Vergangenheit hat sich die bayerische Metropole nun wirklich lange mehr als schwer getan.



Übrigens übersehen so gut wie alle Historiker, dass der junge Hitler in den 1920er Jahren noch die Chance zu einer vielversprechenden Karriere als Trachten- und Landhausmoden-Model hatte. Leider hat er diese Karrierechance ebenso wie die des Kunstmalers verpasst - schade, der Welt wäre viel Leid erspart geblieben. Und Adolf Hitler? Der hätte vermutlich ein längeres Leben und einen angenehmeren Tod gehabt - aber er wollte ja lieber Politiker werden ...

der junge Hitler als Trachtenmoden-Model

Warum kennt kaum jemand in Deutschland Hitler in kurzen Lederhosen? Ganz einfach: Weil Adolf Hitler seinem persönlichen Fotografen Heinrich Hoffmann 1933 den Handel mit allen Fotografien verbot, die ihn in Lederhosen zeigen (und die zumeist Hoffmann selbst gemacht hatte). Dies ist wohl der Grund, warum sich das ursprünglich bayerische Dirndl - dank der Nazis - als weibliches Standardkostüm für Volksfeste reichs- bzw. bundesweit ausbreiten konnte, aber nicht die bayerisch-alpenländische Lederhose.

Lederhosen-Fans gibt es auch in französisch oder englisch ... Hier ein Ausschnitt vom Account eines französischen Lederklamotten-Liebhabers zu "LEDER HOSEN":

der junge Hitler als Trachtenmoden-Model



Hinweise zu dieser Führung

Diese Führung wird nur gegen Voranmeldung für Gruppen angeboten!

Teilnehmerzahlen von 1 bis 20 sind möglich. Sollte Sie diese Führung interessieren, rufen Sie uns an oder teilen Sie dies uns bitte mit einer Mail oder Kontaktanfrage mit, evtl. auch mit Wunschzeiten an welchen Wochentagen zu welcher Uhrzeit Sie könnten. Wir werden dann einen entsprechenden Termin einige Wochen später festlegen. Wenn Sie mindestens drei oder vier Bekannte dafür interessieren könnten, machen wir Ihnen sofort einen Terminvorschlag.

Wir bitten unbedingt um Anruf, SMS oder Whatsapp an 0176-96 33 00 29.

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